Aktuelles:


Historische Kaltbrunner Grabsteine vor Verfall gerettet


Von Willy Schoch und Reinhard Mahn

Um eine 1474 im spätgotischen Stil erbaute Kapelle liegt der idyllisch gelegene Kaltbrunner Friedhof, eingefasst durch eine solide Friedhofsmauer. Vor dem Friedhofstor begegnet der Besucher zuerst einem Gedenkstein, der an Andreas Harter, den langjährigen Vogt und Bauernfürsten von Kaltbrunn erinnert. Nach dem Betreten des Friedhofes fällt der Blick rechts auf drei historische Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind wichtige Zeugnisse der Bestattungskultur unserer Vorfahren und zeichnen sich durch besonders wertvolle Steinmetzarbeiten aus.

Der kleinste Stein erinnert an Emanuel Bold, der in Wittichen von 1880 bis 1884 Pfarrer war. Er wurde 1831 geboren und ist mit 56 Jahren gestorben. Die beiden anderen Grabsteine sind recht stattliche Werke mit einer Höhe von 275 Zentimeter. Sie erinnern an die Eheleute Alois und Johanna Harter geborene Armbruster, beide gebürtig aus Schapbach. Alois Harter war Wirt im Vortal und von 1852 bis 1867 Bürgermeister der Gemeinde Kaltbrunn.

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Wertvolle Steinmetzarbeiten: Der gediegene Grabstein von Pfarrer Emanuel Bold und die stattlichen Grabmale von Alois und Johanna Harter (Gasthof Linde) Foto: Schoch

Die Friedhofskultur verändert sich zusehends, nicht nur in Art und Örtlichkeit der Beisetzungen, sondern auch in der Gestaltung der Grabmale. Alte historische Grabsteine ermöglichen hierbei einen Vergleich des Stilwandels.
War das Grabruherecht abgelaufen, wurden die Grabsteine entfernt und zerschlagen oder gar für bauliche Zwecke verwendet. So war und ist es wohl immer gewesen. Hierbei wurde wertvolles Kulturgut vernichtet, was letztendlich nicht wieder gutzumachen ist.

Da hatte die ehemalige Gemeinde Kaltbrunn Anfang des vorigen Jahrhunderts doch ein wachsames Auge. Sie rettete drei Grabmale und stellte sie an der Seitenwand der Kaltbrunner Friedhofskapelle wieder auf. Die Grabsteine sind nun aber im Laufe der Jahrzehnte stark verwittert und waren mit Moos und Flechten überwachsen. Im Gestein bildeten sich Risse und Teile der Marmortafeln waren abgefallen. Im Rahmen der Kleindenkmalerfassung in den Jahren 2012/2013 wurden die Erfasser auf den schlechten Zustand der Grabmale aufmerksam. Schnell war klar, dass hier unbedingt Handlungsbedarf besteht.

So hat der Historische Verein Schiltach/Schenkenzell in der Person von Historiker Willy Schoch maßgeblich die Rettung und Restaurierung in die Hand genommen. Als erstes wurden die Grabmale von einem Fachmann begutachtet und die Kosten ermittelt. Die anfallenden Kosten sollten ausschließlich durch Spenden finanziert werden. So ging Schoch auf Spendersuche und fand in Joachim Harter, Franz Harter, der Pfarrgemeinde Wittichen, der Gemeinde Schenkenzell und dem Historischen Verein Unterstützer der Sanierung.

In diesen Tagen hat die Fachfirma Maier aus Haslach die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen. Alle drei Grabmale wurden gründlich gereinigt und gesäubert, Risse im Gestein verfüllt und ein eisernes Grabkreuz wieder gerichtet. Sie präsentieren sich nun wieder fachgerecht saniert in einem ansehnlichen Zustand und bieten die Gewähr, dass sie die nächsten Jahrzehnte dem Zahn der Zeit standhalten können.

Der Historische Verein Schiltach/Schenkenzell freut sich über das Erreichte und bedankt sich an dieser Stelle bei allen Spendern sowie bei Initiator Willy Schoch, der die Restaurierung begleitete.


Schiltach/Schenkenzell, den 10. Juni 2017




    Das Projekt „Lehengerichter Chronik“ steht vor dem Abschluss

    Aufwändige Forschungsarbeit geleistet: Autorenvertreter stellen umfassenden Beitrag zur Lehengerichter Geschichte vor



    Von Martina Baumgartner

    Im Rahmen des Gedenkens an die Loslösung des Lehengerichtes von Schiltach im Jahr 1817 haben 13 Autoren eine Chronik des heutigen Stadtteils Schiltachs erarbeitet. Dieses Projekt stellten drei Vertreter der Forscher dem Gemeinderat vor.

    Die Mitautoren Ortsvorsteher von Lehengericht Thomas Kipp, Helmut Horn und Hans Harter stellten dem Gemeinderat am 29. März im Rathaus ein jetzt zum Ende kommendes Projekt – die Lehengerichter Ortschronik – vor. Der Doppelband wird am 27. Oktober als Gesamtwerk in zwei Bänden veröffentlicht. 13 Autoren verfassten 20 Aufsätze. Es entstand ein »gut lesbares Nachschlagewerk«, illustriert mit rund 600 Bilddokumenten. »Das Buch ist rundweg gelungen«, stellte der Ortsvorsteher erfreut fest. 


    Helmut Horn zeigte den Räten Beispiele der teils aufwändig zu »beackernden« schriftlichen Akten. Die Arbeit an der Chronik insgesamt ginge weit über eine ehrenamtliche Tätigkeit hinaus, forderte Herzblut und verdiene Anerkennung sowie Respekt, stellte Horn klar. Die Autoren sollten eine Ortschronik von Lehengericht auf wissenschaftlicher Basis verfassen, erläuterte Harter das Projekt in vier Punkten. Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, hätten sie allen Fach- und Sachlagen gerecht werden und diese mit Quellennachweisen belegen müssen. 


    »Wissenschaftlich heißt allerdings nicht, dass die Lesbarkeit mangelhaft ist«, versicherte Harter. Die Lehengerichter selbst kämen ebenfalls zu Wort – auch im Bild – und beispielsweise mit Erinnerungen, Anekdoten, Episoden, Gedichten und Erzählungen, so Harter. »Die Bilderschätze der Lehengerichter waren eine wahre Fundgrube«, schwärmte der Forscher. Mit der Wahl als Buchform, stünden die Autoren in einer Tradition von historischer Forschung und Schreibung in Schiltach, die bisher ein Schiltach-Buch, die Reihe »Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach« und ein »Trautwein-Sippenbuch« sowie verschiedenen Broschüren hervorbrachte. Die Form »Buch« sei nach Ansicht der Autoren der Träger des sozialen und menschlichen Langzeitgedächtnisses.


    Mit einer Vielfalt an nicht vorhersehbaren Phänomenen und zu lösenden Forschungsproblemen waren die Autoren während ihrer Arbeit zum Thema Lehengericht konfrontiert: »Und das alles war zunächst einmal zu erforschen und darzustellen«, erklärte Harter und zählte eine Vielzahl an Beispielen auf, die die Besonderheit des heutigen Schiltacher Stadtteils aufzeigten.   Die Autoren beschrieb Harter freundschaftlich kollegial   als »bunt gemischten Haufen« aus Profis aus dem Wissenschaftsgeschäft und heimatverbundenen Laien.


    Diese Mischung hätte die Gruppe immer wieder zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und helfen lassen und ein Team gebildet, das stolz darauf sei, »was es letztlich zusammengebracht hat«, freute sich Harter mit einigen Kollegen, die zur Sitzung ins Rathaus gekommen waren. Er erinnerte abschließend an die große Herzlichkeit und offene Freude mit der die Lehengerichter ihn und die Kollegen bei ihrer Arbeit unterstützt hätten. »Da wurden Fotoalben und -kisten geöffnet und gern erzählt und erinnert«, so Harter.

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    Hans Harter (Bildmitte hinten, von rechts), Helmut Horn und Thomas Kipp stellen dem
    Schiltacher Gemeinderat das Projekt »Lehengerichter Ortschronik« vor. © Martina Baumgartner

    Schiltachs Bürgermeister Thomas Haas bedankte sich für die »unglaubliche Leistung« der Autoren: »Ein Außenstehender kann kaum erahnen, wie viel Geschäft und Engagement darin steckt«. 

    Vom Stolz, ein so wertiges Werk im Fundus der Stadt haben zu können, sprach Stadtrat Axel Rombach. Er erinnerte jedoch auch mit Blick auf zurückliegende Diskussionen zum Umfang der Arbeit, die letztlich auf 500 Seiten festgelegt wurde, dass der Gemeinderat die Pflicht und Aufgabe hätte, die Kosten im Blick zu halten. Die Lehengerichter Chronik immer wieder zur Hand nehmen, lesen und sich informieren will Ratskollege Michael Buzzi. »Das Buch wird die Lehengerichter und Schiltacher ein Leben lang begleiten«, sagte er.


    Schiltach, den 04. April 2017 (Erstveröffentlichung im „Offenburger Tageblatt“)


    Seit 01. April 2017 präsentiert das „Museum am Markt“in Schiltach die neue Sonderausstellung


    1917...18...19: Revolutionäre Jahre im Schwarzwald



    1917, vor genau 100 Jahren, war der Krieg im deutschen Kaiserreich zum traurigen Alltag geworden. Die Euphorie, die zu Beginn des Waffengangs teils noch herrschte, war verflogen, die schnellen Siege in weite Ferne gerückt. Ein zermürbender Stellungskrieg im Westen mit zahllosen Toten offenbarte, was keine noch so geschickte Propaganda verschleiern konnte: An den Fronten und in der Heimat machte sich Kriegsmüdigkeit breit, Soldaten wie Zivilisten, die zunehmend mit Versorgungsengpässen, ja mit blanker Not zu kämpfen hatten, waren immer neue Durchhalteparolen nicht mehr zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund formierte sich immer deutlicher Widerstand gegen den Kaiser, seine Militärs und das Reich und bereitete der deutschen Revolution von 1918 ihren Weg.

    Zahlreiche Exponate und Textbeiträge werfen ein Schlaglicht auf die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation gegen Ende des I. Weltkriegs und veranschaulichen den im heimischen Kinzigtal und im Schwarzwald eher gemäßigten Übergang vom Kaiserreich zur Republik.

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    Gerne weisen wir auf diese Präsentation der Stadt Schiltach hin und laden zum Besuch ein. Die Sonderausstellung ist im „Museum am Markt“ bis 01. November 2017 durchgehend zu sehen, zudem an den Adventswochenenden und von Weihnachten bis Dreikönig 2018. Öffnungszeiten: Täglich jeweils von 11-17 Uhr, der Eintritt ist frei.



    Schiltach, den 15. April 2017





    Erinnerung an den polnischen Zwangsarbeiter
    Bernard Perzynski am 22. Januar 2017 im Gottesdienst
    in der katholischen Kirche Schiltach


    Wie schon berichtet, wurde vor 75 Jahren, am 14. Januar 1942, der polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter Bernard Perzynski von der Gestapo in Schiltach hingerichtet. Einigen alten Schiltachern sind die damaligen Begebenheiten noch vertraut.

    Schon acht Monate nach Kriegsende gab es zum vierten Jahrestag am 13.1.1946 in der damaligen katholischen Kirche eine Gedenkfeier, daran schloss sich die Einweihung eines Gedenksteins an, der heute als „Polenstein“ bekannt ist.

    Dies griff der Initiativkreis der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell auf. Markus Armbruster erinnerte am 22. Januar 2017 in Absprache mit der Pfarrgemeinde am Ende des Gottesdienstes an das Schicksal dieses Verschleppten. Wir dokumentieren hier den Wortlaut seiner Ansprache:


    Am 14. Januar vor 75 Jahren starb hier in Schiltach Bernard Perzynski,
    Mitglied dieser Pfarrgemeinde, noch keine dreißig Jahre alt.
    Unsere Ältesten werden sich noch an ihn erinnern, denn er war Fuhrknecht
    und hat Kinder gern ein Stück mitfahren lassen.

    Bernard Perzynski war Pole, einer von über dreihundert Zwangsarbeitern
    in Schiltach und Lehengericht. Im Sommer 1941 wurde er denunziert und nach
    Gestapo- und KZ-Haft auf Befehl des Reichsführers SS im Zellersgrund erhängt.
    Sein angebliches Verbrechen: ein Liebesverhältnis mit einer Deutschen.

    Das war kein Sonderfall. Allein in Baden wurden in diesen Monaten
    38 Polen aus ebensolchen Gründen umgebracht. Die Gesamtzahl
    der von der Nazibarbarei Ermordeten geht in die Millionen.

    Keiner von uns kann sich die Millionen Opfer des Krieges und des
    Nationalsozialismus vorstellen. Der Vorstellung und dem Mitgefühl
    zugänglich sind nur Einzelschicksale.

    Bernard Perzynski war so ein Einzelner. Was ihn für uns von den
    Millionen unterscheidet ist, dass er hier bei uns gelebt hat. Er hat
    hier in Schiltach Gutes und Böses erfahren. Niedertracht und Rassenwahn
    von Schiltachern sind zu seinem Schicksal geworden. Sein Leiden und Tod
    wurde von manchen mit Kälte und Zynismus entgegengenommen,
    von anderen aber mit Entsetzen, Abscheu und Trauer.

    Wie so viele Tote dieser Zeit hat auch er kein Grab. Seine Kameraden
    haben ihm jedoch nach ihrer Befreiung einen Gedenkstein errichtet.
    Er steht heute auf dem Gründlebühl, abseits vom Städtle und wenig beachtet.
    Mit diesem Stein rufen sie uns auf, Bernard Perzynski
    ein ehrendes Andenken zu bewahren.

    Wir wollen ihn nicht vergessen.



    Schiltach, den 28. Januar 2017 (rm)



    Stilles Gedenken am „Polenstein“


    von Reinhard Mahn


    Am 14. Januar 2017 jährte sich die brutale Hinrichtung des polnischen Zwangsarbeiters Bernard Perzynski im Schiltacher „Zellersgrund“ zum 75. Mal. Für den Historiker Dr. Hans Harter war dies Anlass, am Vorabend anlässlich unserer Mitgliederversammlung in einem denkwürdigen Vortrag die in den letzten Jahren erfolgten Nachforschungen zum Schicksal des polnischen Kriegsgefangenen vorzustellen.

    Bei dichtem Schneetreiben machten sich Mitglieder des Initiativkreises zusammen mit Pfarrer Monsignore Dr. Adam Borek am Samstagvormittag auf den Weg zu dem 1946 errichteten Gedenkstein.

    Sie legten im Namen des Historischen Vereins ein Gesteck mit Schleife nieder und gedachten nach einem kurzen Gebet still dem tragischen Schicksal dieses Zwangsarbeiters sowie aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, besonders auch der ebenfalls willkürlich verurteilten Frau, deren Spur sich in der unmenschlichen KZ-Haft verliert.

    Das Mahnmal trägt eine Inschrift in drei Sprachen: „An dieser Stelle wurde der Pole Perzynski Bernard, Offiziersanwärter der Polnischen Armee, erhängt. Opfer des Naziterrors. Ehre seinem Andenken.“

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    Bemerkung: Der Gedenkstein nennt den 13. Januar 1942 als Todestag. Anhand der erhaltenen Akten fand die Hinrichtung jedoch einen Tag später, am 14.01.1942 statt.



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    Fotos: R. Mahn



    Schiltach, den 25. Januar 2017





    Die Mitgliedergruppe ist auf vielen Ebenen aktiv

    Bericht von der Jahresversammlung am 13. Januar 2017


    von Reinhard Mahn


    Der Initiativkreis der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell lud Mitglieder und Freunde zum jährlichen Informationsabend ein. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe um Sprecher Peter Rottenburger an unterschiedlichsten Projekten arbeitet und auch 2017 wieder vielversprechende Veranstaltungen plant. Publikumswirksame und trotzdem fundierte Vorträge sind ein wesentliches Standbein der Vereinsarbeit, daneben nehmen die Aufarbeitung der Vergangenheit, Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen in den beiden Gemeinden sowie die stetige Weiterentwicklung der Vereinshomepage breiten Raum ein.

    Peter Rottenburger konnte zahlreiche Mitglieder sowie einige Gäste begrüßen, umriss den geplanten Ablauf und führte durch den Abend. Schriftführer Reinhard Mahn blickte auf eine ganze Reihe von Veranstaltungen zurück, die der Initiativkreis im zurückliegenden Jahr anbieten konnte, in vielen Fällen übertraf die Resonanz alle Erwartungen. Vorträge gab es zu Herkunft und Bedeutung von „Abnoba“, dem antiken Namen des Schwarzwaldes und seiner Göttin, zum Leben des legendären Vogtes und Bauernfürsten Andreas Harter von Kaltbrunn sowie eine beeindruckende Einführung in das Nibelungenlied. Eine Präsentation beim „Aktionstag Geschichte“ in Spaichingen, der Literaturabend über den Barockdichter Grimmelshausen sowie eine örtliche Exkursion rundeten den Veranstaltungszyklus ab. Zudem fanden in Kaltbrunn und Wittichen unter der Regie von Willy Schoch mehrere Bürgeraktionen zur Freilegung der historischen Floßweiher statt. Auch die Führungsmannschaft der Mitgliedergruppe wurde verstärkt - durch Markus Armbruster (Schiltach) und Werner Sum (Schenkenzell).

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    Danach ging Peter Rottenburger auf die Vorhaben des laufenden Jahres ein. Der erste Vortrag im Frühjahr befasst sich mit den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen am Ende des Ersten Weltkrieges und ihre Auswirkungen bis ins Kinzigtal (Referent: Andreas Morgenstern), weitere Themen sind im Herbst die Burgen des oberen Kinzigtals (Heiko Wagner) sowie die Loslösung des Lehengerichts von Schiltach vor 200 Jahren (Hans Harter). Ein Literaturabend mit Günter Bentele und Wolfgang Tuffentsammer zu Hermann Hesse im Frühjahr, eine kleine Sommerexkursion sowie die Ausstellung „Leben und Arbeiten in Lehengericht“ sind ebenfalls in Vorbereitung. Eine aktuelle Übersicht finden Sie unter Termine.

    Der Sprecher des Initiativkreises betonte, dass die Bemühungen um eine bessere Akzeptanz des Silvesterzuges unter Federführung der Stadt fortgesetzt würden. Bereits für dieses Jahr seien behutsame Veränderungen angedacht, wobei auch die Schüler der Grundschule einbezogen werden sollten. Der Arbeitskreis „Lebendiges Lehengericht“, an dem die Mitgliedergruppe ebenfalls beteiligt ist, verspricht in den Jahren 2017 und 2018 interessante Veranstaltungen, eine chronologische Auflistung ist bereits eingestellt. Zu der von der Stadt geplanten Neugestaltung des Areals um das Gedenkkreuz hat der Historische Verein konkrete Vorstellungen. Ziel muss sein, dass das Gedenken alle Opfer von Kriegen, Gewaltherrschaft, Willkür, Terror und Rassismus gleichermaßen einschließt.

    Peter Rottenburger erinnerte daran, dass sich seit nunmehr fast exakt zehn Jahren ein inzwischen zehnköpfiger Initiativkreis um die Belange der fast 100jährigen Mitgliedergruppe kümmere, die ausgangs des 20. Jahrhunderts im Dornröschenschlaf lag. Die erfolgreiche Reaktivierung sei ein kleines Jubiläum wert, das man feiern dürfe, mit Stolz und Freude könne man auf das Erreichte der letzten Dekade zurückblicken. Dem solle nun die seit längerem angestrebte Vereinsgründung folgen, wobei Rottenburger zu bedenken gab, dass er ab dem kommenden Jahr kürzer treten wolle und für Führungsaufgaben dann nicht mehr zur Verfügung stehe. Sein Dank galt u. a. dem Präsidium des Gesamtvereins, den Bürgermeistern von Schiltach und Schenkenzell, dem Stadtarchiv, der Volkshochschule Schiltach/Schenkenzell für die gute Zusammenarbeit, der Presse, allen Mitgliedern sowie den Kollegen des Initiativkreises.

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    Anschließend berichtete Kassier Marcus Löffler von einem leichten Anstieg der Mitgliederzahl und einem insgesamt ruhigen Kassenjahr, Klaus Wolber bescheinigte im Namen der Prüfer eine einwandfreie Kassenführung.
    Der Lehengerichter Ortsvorsteher und Vereinsmitglied Thomas Kipp dankte auch im Namen der politischen Gemeinde für die geleistete Arbeit. Man spüre, dass die Struktur der Mitgliedergruppe intakt sei, dies zeige sich an den vielseitigen Aktivitäten, die weit über die heimischen Gemarkungen hinaus reichten.

    Gespannt warteten die Zuhörer danach auf den angekündigten Vortrag von Historiker Hans Harter über das tragische Schicksal des polnischen Kriegsgefangenen Bernard Perzynski, der seit 1940 in Schiltach Zwangsarbeit leisten musste und im Januar 1942 durch die Gestapo hingerichtet wurde. Eine kurze Zusammenfassung sowie den dem Vortrag zugrunde liegenden Aufsatz des Referenten finden Sie hier.


    Schiltach, den 21. Januar 2017










    Bericht von der Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden
    am Sonntag, den 30. Oktober 2016 in Nordrach


    von Reinhard Mahn


    Die Hauptversammlung ist stets ein ganz besonderer Termin im Vereinskalender. Hier besteht die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich über die Vereinsarbeit auszutauschen und Neues aus der lokalen Forschung zu erfahren. Das Treffen der Vereinsvertreter wurde Ende Oktober von der Mitgliedergruppe Nordrach ausgerichtet, die gleichzeitig ihr 10jähriges Bestehen feierte und somit als jüngster, aber dafür äußerst aktiver Spross des Historischen Vereins für Mittelbaden gelten darf. Vertreter der Mitgliedsgruppen aus dem ganzen Vereinsgebiet trafen sich im Katholischen Pfarrheim, wo Sie von Präsident Klaus Kaufmann (Haslach) und den Mitgliedern des Präsidiums begrüßt wurden. Das obere und mittlere Kinzigtal war durch Vertreter aus Schiltach/Schenkenzell, Schapbach, Hausach, Hornberg/Triberg, Haslach, Steinach, Biberach, Zell a. H. und Gengenbach gut vertreten.

    Der Präsident blickte in seinem Rechenschaftsbericht auf Ereignisse und Termine des vergangenen Vereinsjahres zurück, die ihn zu Veranstaltungen rechts und links des Rheins sowie in der Schweiz führten und umriss Aufgaben und Herausforderungen, die im kommenden Jahr angepackt werden müssen.

    Geschäftsführer Alexander Vallendor berichtete über die finanzielle Situation, der größte Posten auf der Ausgabenseite war naturgemäß wieder die Mitgliederzeitschrift „Die Ortenau“, die jedoch ein unverzichtbares und identitätsstiftendes Aushängeschild für die Vereinsaktivitäten und die Region ist. Der Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen konnte auch im vergangenen Jahr nicht gestoppt werden, was auch die Auflage des Jahrbuches nicht unberührt ließ. Die Kassenprüfung wurde gemäß den steuerlichen und gesetzlichen Vorgaben durchgeführt, die Prüferinnen bescheinigten dem Geschäftsführer eine einwandfreie und transparente Kassenführung.

    Im Anschluss berichtete Martin Ruch als verantwortlicher Redakteur über die Entstehung des aktuellen, erstmals farbigen „Ortenau“-Bandes 2016 und bedankte sich bei Autoren und Präsidium. Auch in diesem Jahr gebe es wieder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen themenbezogenen Aufsätzen („Unterwegs – zu Lande, zu Wasser, zu Luft. Aus der Geschichte der Verkehrswege“) und freien Beiträgen. Als Leitthema für 2017 wurde „Kunst und Künstler“ ausgegeben. Die „Ortenau“-Bände sind nun komplett bis einschließlich 2009 digitalisiert, alle Beiträge stehen jedem Interessierten somit kostenlos zur Verfügung. Einen direkten Zugang finden Sie im Internet unter http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau.

    Danach folgten Ehrungen durch den Präsidenten. Zum einen dankte er dem Bibliotheks-Team für seine leise aber wichtige Arbeit, zum andern konnte er nach einhelligem Votum durch die Mitgliederversammlung dem langjährigen Redakteur Dr. Martin Ruch für seine außerordentlichen Verdienste um den Verein feierlich die Ehrenmitgliedschaft verleihen. Ruch koordinierte bereits den 17. Jahresband der „Ortenau“.

    Dem geschäftlichen Teil folgten Grußworte des Vorsitzenden der ausrichtenden Mitgliedergruppe sowie des Bürgermeisters der Gemeinde Nordrach. Den Festvortrag „Schabos in Nordrach – die Wiedergewinnung der jüdischen Geschichte eines Schwarzwaldkurorts“ hielt der Historiker Uwe Schellinger. Er berichtete über die Rothschild’sche Klinik, deren Geschichte und das Schicksal ihrer letzten Patienten ebenso wie über die teils erheblichen Widerstände bei der Aufarbeitung dieses sensiblen historischen Erbes.

    Nach dem gemeinsamen Mittagessen standen für den Nachmittag drei verschiedene Veranstaltungen zur Wahl: Zum einen die Besichtigung der ehemaligen Klinik Rothschild und des jüdischen Friedhofs, zum andern konnte man sich auf die Spuren des ersten Lungensanatoriums in Nordrach und dessen Gründer Dr. Otto Walther begeben oder man schloss sich einer Exkursion zu den abgegangenen Nordracher Höhenhöfen und Glashütten an. Alle drei Angebote erhielten regen Zuspruch, die drei Vertreter aus Schiltach/Schenkenzell entschieden sich für letztere Möglichkeit.

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    Der Tag mit seinen vielfältigen Eindrücken wird bei allen Teilnehmern sicher lange in Erinnerung bleiben. Für die gute Organisation und die familiäre Atmosphäre den Nordracher Freunden und dem Präsidium von dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.


    Schiltach den 1. November 2016




    „Verkehrswege“ als Schwerpunktthema im neuen Jahrbuch „Die Ortenau 2016“
    Beitrag aus Schiltach befasst sich mit Schwarzwälder Technologie-Transfer



    Von Reinhard Mahn


    Schon vor einigen Wochen konnte der Initiativkreis die druckfrischen Exemplare der neuen „Ortenau“ im Empfang nehmen und zügig verteilen. Von manchem unserer Mitglieder wurde der rote Jahrband – zwischenzeitlich bereits die 96. Ausgabe – schon freudig erwartet. Und nach dem ersten Durchblättern und Orientieren staunte der ein oder andere nicht schlecht: Die „Ortenau“ des Jahres 2016 ist mit einem Gesamtumfang von 560 Seiten erstmals durchgehend als Farbdruck erschienen. Das ist durchaus ein Mehrwert, der heutigen Erwartungen und Anforderungen entgegen kommt und sicher mithilft, dass der neue Band auch über den Buchhandel Interesse weckt und neue Leser erreicht.

    Für die Ausgabe 2016 hatte die Redaktion schon vor gut zwei Jahren das Schwerpunktthema „Unterwegs. Zu Lande, zu Wasser und zu Luft. Aus der Geschichte der Verkehrswege“ ausgegeben. Ein Themenkreis also, der wieder viele Autoren ansprechen sollte, die unterschiedlichsten Fortbewegungsarten und Reisewege zu betrachten. Aus den Einsendungen hat die Redaktion wieder eine breite Palette von Beiträgen zusammengestellt, die die Vielseitigkeit dieses Themenkomplexes erahnen lassen.

    Achtzehn Beiträge beleuchten auf gut 280 Seiten die unterschiedlichsten Facetten des Themenschwerpunktes. Die Beiträge befassen sich u. a. mit Römerstraßen und Pilgerwegen, mit Brücken und Wasserläufen, mit Fortbewegungsmitteln, der Irrfahrt eines Flüchtlingsbootes 1939 – und der Ankunft von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in den Jahren nach 1945. Es geht also um Mobilität und das „Unterwegssein“ insgesamt.

    Zum Schwerpunktthema bereichert auch wieder ein Aufsatz aus Schiltach den neuen Jahresband. Historiker Hans Harter befasste sich während der vergangenen Jahre intensiv mit den Aktivitäten der Schiltacher Flößer, die sich nicht nur auf das Kinzigtal beschränkten, sondern weit darüber hinaus reichten. Seine Recherchen zur Flößerei auf der Wutach liegen bereits in gedruckter Form vor, sein diesjähriger Beitrag bringt einen Technologie-Transfer zum Vorschein, der in den 1860er Jahren aus dem heimischen Schwarzwald nach Österreich-Ungarn vor sich ging. Unter der Leitung des Schiltacher Floßmeisters Abraham Koch machten sich 28 Flößer aus dem Kinzig- und Wolftal auf die weite Reise nach Niederösterreich, um mit Hilfe von Schwarzwälder Floßtechnik den Alpenfluss Ybbs floßbar zu machen und die damals unerschlossenen Holzvorkommen jener Region wirtschaftlich nutzen zu können. Aber das Knowhow der Schwarzwälder war auch in anderen Regionen der Monarchie gefragt, so gelangten badische Flößer, teils mit ihren Familien, auch nach Ungarn, nach Siebenbürgen, ja selbst in Galizien, dem westlichen Teil der heutigen Ukraine sind ihre Spuren nachzuweisen. Harter beschreibt detailliert die Einrichtung der Gestörflößerei, die Ausbeutung der Holzvorkommen, die wirtschaftlichen Risiken und Gefahren sowie Schicksale der beteiligten Kinzigtäler. Auszüge aus Briefen und anderen Dokumenten geben einen authentischen Einblick in die raue und gefährliche Lebenswelt jener frühen Technologie-Experten.

    Auf mehr als 170 weiteren Seiten folgen vierzehn freie Beiträge, die sich u. a. mit archäologischen Forschungen in Renchen, einer kritischen Würdigung des 100. Geburtstages von Heinrich Hansjakob, dem Nordracher Klerus und der Zeller Keramik befassen. Vorgestellt wird auch ein Pfarrer aus Schutterwald, der über Jahre den Nationalsozialisten widerstanden hatte. Dazu kommen die Rubriken „Junge Autoren“, Neue Literatur und Nachrichten. Berichte der Mitglieder- und Fachgruppen führen die Vielfältigkeit der Vereinsarbeit in der Region eindrücklich vor Augen und komplettieren die von Redakteur und Präsidiumsmitglied Martin Ruch wieder mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail zusammengestellte Publikation.

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    "Wir wollen eine breite Leserschaft ansprechen", betonte Ruch, so die Badische Zeitung, deshalb seien die Beiträge nicht zu wissenschaftlich, aber auch nicht zu banal. "Die Ortenau" sei bunter, die Aufsätze, früher eher von älteren Autoren verfasst, seien attraktiver und lebendiger geworden. Entstanden sei eine facettenreiche Lektüre für alle Interessierten, die vielfältige Einblicke in die Geschichte biete. "Dass die Ortenau ein Geschichtsbewusstsein hat, ist auch ein Verdienst dieser Zeitschrift", unterstrich der Redakteur.

    „Die Ortenau“ Ausgabe 2016 kann über den Initiativkreis des Historischen Vereins zum Preis von EUR 30,00 erworben werden. Falls Sie Mitglied werden, erhalten Sie den Jahresband zum Vereinsbeitrag (Vorzugspreis). Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Marcus Löffler, Tel. 07836/378020 oder jedes andere Mitglied des Initiativkreises.


    Schiltach, den 30. Oktober 2016





    Kampf gegen den Zahn der Zeit:
    Restaurierung beschädigter Grabmale ist in die Wege geleitet


    Von Willy Schoch



    Ein Kleinod ist die Kapelle auf dem idyllisch gelegenen Friedhof im Kaltbrunner Tal. Sie stammt aus dem Jahr 1474. Rechts der Kapelle sind alte, historisch wertvolle aber zwischenzeitlich stark verwitterte Grabsteine aufgestellt. Auf Initiative des Historischen Vereins Schiltach/Schenkenzell werden diese nun restauriert.

    Nach dem Betreten des Friedhofes, im umfriedeten Bereich, fällt der Blick auf drei alte Grabsteine. Schon Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte die Gemeinde Kaltbrunn ein wachsames Auge auf die Erhaltung wertvoller Zeugen unserer Vorfahren gehabt. Diese historischen Grabmale wurden an der Seitenwand der Kapelle aufgestellt. So wird der Stilwandel bei der Gestaltung von Grabsteinen über den Zeitraum der vergangenen 150 Jahre möglich.

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    Emanuel Bold war von 1880 bis 1884 Pfarrer in Wittichen. Im Alter von 56 Jahren verstarb er. Der etwas gedrungene Stein mit eisernem Kreuz zeugt von einer wundervollen Steinmetzarbeit. Der Aufsatz zeigt in einem Oval einen Kelch mit Hostie, darüber einen Totenkopf.

    Die beiden anderen stattlichen Grabsteine erinnern an die Eheleute Alois und Johanna Harter geborene Armbruster, beides gebürtige Schapbacher. Alois Harter war Wirt im Vortal und von 1852 bis 1867 Bürgermeister der Gemeinde Kaltbrunn. Alle drei Grabsteine sind im Laufe der Jahrzehnte stark verwittert und mit Moos und Flechten überwachsen. Im Gestein befinden sich Risse und Teile der Marmortafeln sind abgefallen. Die Grabmale sind anerkannte Kleindenkmale, die unbedingt vor dem Verfall bewahrt werden müssen. Allzu lange sollte damit aber nicht mehr gewartet werden.

    Deshalb hat nun die Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell im Historischen Verein für Mittelbaden die Restaurierung dieser anerkannten Kleindenkmale angestoßen, die noch in diesem Jahr durch die Steinmetz-Werkstatt Maier aus Haslach erfolgen wird. Die Kosten sind durch Spenden der Gemeinde, der Kirche, des Historischen Vereins sowie von Privatleuten gedeckt.



    Schenkenzell, den 03. September 2016









    Gerne machen wir auf die kommende Veranstaltung der Stadt Schiltach aufmerksam


    „Kultur im Stadtgarten“ – Die Museen der Stadt Schiltach laden ein:
    Badener und Württemberger – das passt zusammen! Oder?


    Ein Abend mit Thomas Schnabel, dem Leiter des „Haus der Geschichte Baden-Württemberg“

    Seit mehr als 60 Jahren zusammengewachsen – oder doch nicht? Was verbindet Badener und Württemberger miteinander? Sind die Nachbarn noch immer „Sauschwobe“ oder „Badenser“?
    Wer könnte sich besser mit diesen Fragen auseinandersetzen als der Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg? Thomas Schnabel leitet seit 1989 das Museum zur Landesgeschichte und kennt so aus seinem beruflichen Wirken zahlreiche Geschichten des Zusammenlebens im Bindestrichland.

    Aber nicht nur aus diesem Blickwinkel kann Thomas Schnabel über das Zusammenleben der beiden Nachbarn berichten, er sammelte auch ganz persönlich „grenzüberschreitende“ Erfahrungen: Der gebürtige Heilbronner lebte vor seinem Wechsel in die Schwabenmetropole Stuttgart in Freiburg – eine Stadt, die er bis heute sehr schätzt.

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    Freuen Sie sich auf einen kurzweiligen, unterhaltsamen Vortrag – und erfahren Sie, was die Menschen „beiderseits des Bindestrichs unseres Landesnamens“ miteinander verbindet.

    Die Veranstaltung beginnt am Freitag, den 5. August 2016 um 19 Uhr im Stadtgarten hinter der ev. Kirche. Bei schlechtem Wetter Verlegung ins nahegelegene Lehengerichter Rathaus, Hauptstraße 5.

    Der Eintritt frei!

    Schiltach, den 21. Juli 2016 (am, rm)



    Auch zweite Bürgeraktion erfolgreich:
    Staumauer am vorderen Laybachweiher freigelegt


    von Willy Schoch


    Nach der erfolgreichen Freilegung der Staumauer des Floßweihers in Wittichen war am Samstag, den 28. Mai 2016 der vordere Floßweiher am Laybach in Hinterkaltbrunn an der Reihe. Wiederum waren freiwillige Helfer zur Stelle, um die noch größere Staumauer von Bewuchs freizulegen und wieder sichtbar zu machen. Der Gerüstbauer Fabian Allgeier hatte vorzüglich Vorarbeit geleistet, sodass es gleich richtig zur Sache gehen konnte. Als der Schweiß floss, kam der Besuch von Bürgermeister Thoma Schenk mit Getränken und Brezeln nicht ungelegen. Kurz vor Mittag war die recht mühevolle Arbeit abgeschlossen. Organisator Willy Schoch zeigte sich wiederum sehr zufrieden über die Bereitschaft der Mitbürger und Flößer. Das Gerüst wurde anschließend abgebaut und am nächsten Projekt, dem hinteren Layweiher, wieder aufgestellt. Dort findet dann die dritte und vorerst letzte Aktion am Samstag, 11. Juni 2016, statt.

    Auch am vorderen Layweiher war nach Abschluss der Freilegungsarbeiten festzustellen, wie schon beim Floßweiher in Wittichen, dass der Zahn der Zeit an dem historischen Kulturgut gehörig genagt hatte. Die Bausubstanz hat durch Hochwasser und Ausspülung sowie Hangdruck gelitten.

    Die jetzt wieder freigelegte Staumauer am Laybach wurde 1842 von Bauern in massiver Bauweise erstellt. Sie hat eine Wandstärke von über acht Meter und eine Breite von fünfzehn Meter. Der Weiher wurde auf eine Länge von einhundert Meter auf die ganze Talbreite aufgestaut. Dessen Schwellwasser zusammen mit dem Schwellwasser des oberen Floßweihers machte es möglich, die Holländerstämme talauswärts bis hin zum Reinerzauer Talbach zu flößen.

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    Seitdem die Kinzigflößereigenossenschaft ihre Tätigkeit 1894 einstellte und auf die alten Floßrechte verzichtet haben, verfielen mit den Jahren die Anlagen der Flößerei. Förster Braitsch vom Fürstlich Fürstenbergischen Forstamt Wolfach war es, der mit seinen Waldarbeitern das Stauwehr am vorderen Layweiher vor dem Einsturz rettete und 1967 wieder fachmännisch erneuerte. Sowohl die Tafel mit dem Hinweis auf die Erbauung als auch auf die Erneuerung ist nach der Freilegung des Mauerwerks wieder sichtbar geworden.

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    Die vorerst letzte Aktion gilt der Staumauer des oberen Laybachweihers, der von Hochwasser und Witterung ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Abschluss der Arbeiten am vorderen Weihers wurde das Gerüst an der Staumauer des oberen Weihers aufgebaut.

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    Schenkenzell, den 29. Mai 2016 / alle Fotos: Willy Schoch










    Bürgeraktion im Witticher- und Kaltbrunner Tal:
    Gewaltige Staumauern der Floßweiher von Moos und Bewuchs befreit


    Von Willy Schoch


    Die historischen Bauwerke aus der Flößerzeit im Witticher- und Kaltbrunner-Tal treten erstmals wieder besser in Erscheinung. Nach der Auslichtung der Floßweiher werden nun in einer Bürgeraktion die gewaltigen Staumauern vom Moos und sonstigem Bewuchs befreit.

    Die Kaltbrunner Bürger legen Wert auf den Erhalt der kulturhistorischen Floßweiher. Die erste Bürgeraktion am vergangenen Samstag an der Witticher Schwallung war ein deutlicher Beweis dafür. Freiwillige Helfer hatten an der mächtigen Staumauer Hand angelegt und die Sandsteinquader freigelegt. Für den Wanderer und Vorbeifahrenden bietet sich nun wieder ein herrlicher Blick. Und zudem wurden durch diese Arbeiten auch die Schadstellen im Mauerwerk besser sichtbar.

    Jahrhunderte lang wurde auf der Kinzig, der Reinerzau und ihren Nebenflüssen geflößt. Der Holzhandel und vor allem der Holztransport war ohne die Flößerei nicht vorstellbar – und diese wäre wiederum ohne die Floßweiher nicht möglich gewesen. Die mächtigen Holländerstämme aus den Kaltbrunner Waldungen brauchten vor allem auf den kleinen Nebenflüssen wie dem Kaltbrunner Talbach, dem Klosterbach oder dem Heubach schon den notwendigen Schub an Schwellwasser, um zur Kinzig und später zum Rhein zu kommen.

    Der Floßweiher am Klosterbach, wie er früher bezeichnet wurde, diente mehr zum Flößen von Scheiterholz und Rollen („Trift“) bis hinab zur Reinerzau.
    Das im Witticher Tal angefallene Stammholz wurde eher mit Pferden auf dem Talweg bis ins Vortal zur Reinerzau gezogen und dort dann eingebunden.
    Der Stauweiher oberhalb des Wüstenbächles war nicht klein. Er hatte eine Länge von rund achtzig Metern und eine durchschnittliche Breite von dreizehn Metern.
    Um dem Druck dieser angestauten Wassermassen standzuhalten, war eine mächtige Staumauer mit einer Stärke von fünf Metern erforderlich. Am 2,70 Meter breiten Auslauftunnel befand sich die Auslauffalle, die von der Stammkrone aus bedient wurde.

    Zum letzten Mal wurde im Kinzigtal 1894 geflößt. Die Flößerei, dieses einst so bedeutsame Gewerbe, musste dem Bahn- und Straßenbau Tribut zollen. Die Helfer am Samstag in Wittichen waren einerseits stolz auf die damalige Idee und Leistung ihrer Großväter und Urgroßväter und andererseits auch auf das, was sie heute durch ihre „praktische Beteiligung“ einbringen konnten. Damit werde auch das Interesse der jüngeren Generation an diesen Zeugen der Vergangenheit geweckt.

    Am kommenden Samstag, 28. Mai, ab 8 Uhr geht es gleich weiter mit der nächsten Aktion am vorderen Floßweiher am Laybach im hinteren Kaltbrunner Tal an der Auffahrt zum Roßberg. Der Arbeitsaufwand dürfte dort etwas größer werden als in Wittichen. Der Historische Verein und die Schiltacher Flößer würden sich natürlich freuen, wenn auch diese Bürgeraktion so erfolgreich abgeschlossen werden könnte. Die entsprechenden Arbeitsgeräte (Kelle, Spachtel, Drahtbürste) und natürlich Gummistiefel sind mitzubringen.


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    Schenkenzell, den 24. Mai 2016 Fotos: Willy Schoch









    Ab 22. April 2016 neue Sonderausstellung
    im „Museum am Markt“

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    Gerne weisen wir auf diese Präsentation der Stadt Schiltach hin
    und laden zum Besuch ein:



    Fachwerk gestern und heute.
    Wie Schiltach sich verändert hat



    Erleben Sie den charakteristischen Wandel einer Fachwerkstadt im Schwarzwald. Am Beispiel Schiltach zeigt das Museum am Markt ab dem 22. April in seiner neuen Sonderausstellung, worin sich das äußere Bild einer Gemeinde über die Jahrzehnte gewandelt hat. Ausgewählt für die Ausstellung wurden 23 historische Fotografien, die einen typischen Rundgang eines Besuchers durch Schiltach wiedergeben. Aufgenommen wurden diese Motive der Stadt im oberen Kinzigtal vom späten 19. Jahrhundert bis 1960. Jedem einzelnen Bild stellt die Sonderausstellung dem Besucher noch einmal den jeweils gleichen Blick gegenüber, diesmal aber aus dem Schiltach des Jahres 2015.
    Erzählt wird die Geschichte einer Schwarzwaldgemeinde, die sich herausgeputzt hat. Das übrigens vielfach ganz wortwörtlich: Viele Häuser zeigen heute wieder den Charme ihres Fachwerks, das einst hinter Putz versteckt wurde.

    Auffällig zeigt sich aber auch: Ein einstiger Kinzigtäler könnte sich auch heute noch gut und sicher in Schiltach orientieren.


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    Im Zeitalter der Fotografie blieb die Schwarzwaldgemeinde zum Glück von größeren Zerstörungen durch Krieg oder Feuer verschont und auch die Abrissbirne regierte hier nicht. Der Besuch der Ausstellung verspricht so alt-neue Einblicke in die Geschichte einer Fachwerkstadt im Schwarzwald.


    Die Sonderausstellung ist bis 11. September 2016 im „Museum am Markt“ in Schiltach zu sehen. Öffnungszeiten: Täglich von 11-17 Uhr, der Eintritt ist frei.



    Schiltach, den 21. April 2016









    „Aktionstag Geschichte“
    der Region „Schwarzwald-Baar-Heuberg“ in Spaichingen
    am Sonntag, 20. März von 10.30 bis 18.00 Uhr


    Beteiligung der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell mit einer Präsentation – und des Schiltacher Stadtarchivars Dr. Andreas Morgenstern mit einem Kurzvortrag


    Alle zwei Jahre findet in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ein „Aktionstag Geschichte“ statt. 2016 wird der Aktionstag wieder im Landkreis Tuttlingen, diesmal in Spaichingen, ausgerichtet. Der Aktionstag steht unter dem Leitmotto "Zeitgeschichte: Forschen - erinnern - gedenken". Kostenlose Stadt- und Museumsführungen bilden das Rahmenprogramm.


    Erstmals wird sich auch der Historische Verein Schiltach/Schenkenzell an diesem Aktionstag beteiligen. Wir freuen uns, dass wir in einem Klassenzimmer der Realschule unsere Mitgliedergruppe, unsere Veranstaltungen und Projekte einem interessierten Publikum außerhalb unseres eigentlichen Vereinsgebietes vorstellen können.

    Zur Vorbereitung wurde innerhalb des Initiativkreises eine vierköpfige Arbeitsgruppe gebildet, die eine Konzeption erarbeitet und die Grundzüge unserer Präsentation festgelegt hat.

    An unserem Stand, den wir mit Dr. Andreas Morgenstern, Leiter des Schiltacher Stadtarchivs und der städtischen Museen teilen, werden wir Infomaterial über Schiltach und Schenkenzell, Veranstaltungshinweise und Literatur anbieten, darunter auch die Bände aus der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach“ sowie Ansichtsexemplare unserer Vereinszeitschrift „Die Ortenau“.

    Nach der Begrüßung um 10.30 Uhr hält Prof. Dr. Reinhard Weber von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg  den Hauptvortrag zum  Thema

    „Zeitgeschichte als Gegenwartsgeschichte.
    Erinnerungskultur im deutschen Südwesten“



    Den Nachmittag über werden Kurzvorträge zu verschiedenen regionalen Themen angeboten.
    Dr. Andreas Morgenstern wird dabei um 14.30 Uhr über

    „Das Bild in der Zeitung Der Kinzigtäler im Jahr 1914“



    referieren und aufzeigen, was die Tagespresse des Oberen Kinzigtals ihren Lesern vom Ersten Weltkrieg zeigte.



    Die Einladung zum Aktionstag bzw. das Gesamtprogramm finden Sie hier.

    Veranstaltungsorte: Im Festsaal des Gewerbemuseums in der Bahnhofstraße 5  gibt es Vorträge und Projektvorstellungen zum Leitmotto des Aktionstages "Zeitgeschichte: Forschen - erinnern - gedenken".

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    Heimat- und Geschichtsvereine, Archive, Museen und Gedenkstätten stellen in den Räumen der Realschule in der Bahnhofstraße 4  ihre Institutionen, Veröffentlichungen und Projekte vor.

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    Zu dieser Veranstaltung der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg laden wir herzlich ein. Es besteht hier eine gute Möglichkeit, die vielfältige Arbeit der beteiligten Vereine sowie der Archive und Museen kennenzulernen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. (rm)

    Schiltach, den 01. März 2016






    Auch 2016 wieder ein vielseitiges Programm

    Rückschau und Ausblick anlässlich der Mitgliederversammlung


    von Reinhard Mahn
    Fotos Michael Buzzi


    Der Initiativkreis lud vergangenen Freitag Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins zum jährlichen Informationsabend in den „Treffpunkt“ ein. Wegen heftigen Schneetreibens und damit ungünstigen Witterungsbedingungen konnte Peter Rottenburger als Sprecher des Initiativkreises dieses Jahr leider weniger Mitglieder und Gäste willkommen heißen. Er umriss den Programmablauf und führte gewohnt souverän durch den Abend.

    Sein besonderer Gruß galt dem Präsidenten des Gesamtvereins, Klaus G. Kaufmann aus Haslach, der bei dieser Gelegenheit auch seine Arbeit vorstellte. „Der Blick des Präsidiums schweift nicht in erster Linie nach Westen, die Ausrichtung ist inzwischen trinational und umfasst Geschichtsforschung in Baden, der Pfalz, im Elsass und in der Nordschweiz“. In einer kurzen Grußadresse würdigte Kaufmann die Arbeit unserer Mitgliedergruppe und betonte, dass deren Engagement vom Präsidium mit Interesse zur Kenntnis genommen und begleitet werde. „Mit Ihrer Mischung aus Vorträgen und Exkursionen sind Sie auf einem guten Weg, machen Sie weiter so“ ermunterte er den Initiativkreis und wünschte für die weiteren Vorhaben ein gutes Gelingen.


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    Schriftführer Reinhard Mahn rief das zurückliegende Jahr in Erinnerung und konnte auf eine ganze Reihe besonderer und dabei immer gut besuchter Veranstaltungen zurückblicken.

    Vorträge gabs zu Schiltacher Schicksalen während des Ersten Weltkriegs, zu bergbaulichen Erkundungen rund um Schiltach und zu römerzeitlichen Baubefunden auf dem Brandsteig. Dazu kamen eine Betrachtung des württembergischen Dichter Wilhelm Hauff und seiner noch heute aktuellen Werke sowie ein stimmungsvoller Abend zu den Geheimnissen der mystischen Raunächte. Die Franz-Kinle-Ausstellung im Frühjahr in Schenkenzell war ein wahrer Publikumsmagnet und auch die Fotoausstellung während des Stadtfestes zu den heimischen Kleindenkmalen fand aufmerksame Besucher. Abgerundet wurden diese vielseitigen Aktivitäten durch drei herbstliche Entdeckungstouren durch heimatliche Gefilde auf den Spuren von bekannten und verborgenen Kleindenkmalen.

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    Peter Rottenburger konnte daraufhin den Blick nach vorne richten und den Zuhörern das Programm des laufenden Jahres vorstellen. Dem Initiativkreis war es wieder gelungen, mit einer ausgewogenen Mischung von Lokalgeschichte, Literatur und Begehungen ein ansprechendes Jahresprogramm zusammenzustellen.

    So wird Helmut Horn im März in einem Vortrag den aktuellen Forschungsstand zur fast vergessenen Schwarzwaldgöttin „Abnoba“ vorstellen. Im April taucht Willy Schoch tief in die Heimatgeschichte ein und wird dabei Aufstieg und Fall von Andreas Harter, dem Bauernfürsten von Kaltbrunn aufzeigen. Anfang Juni folgt das vierte Literarische Gespräch mit Günter Bentele und Wolfgang Tuffentsammer, das sich dem zuletzt in Renchen als Schultheiß amtierenden Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen widmen wird.
    Im August ist eine weitere Exkursion mit Hans Harter zu sehenswerten Schiltacher Kleindenkmalen geplant. Prof. Konrad Kunze wird Ende Oktober wieder zu Gast sein und sich auf seine unnachahmliche Weise mit dem mittelhochdeutschen Nibelungenlied beschäftigen. Darüber hinaus wird sich der Verein beim regionalen „Aktionstag Geschichte“ im März in Spaichingen mit Informationen zum Verein, zur Mitgliedergruppe und zu den Gemeinden Schiltach und Schenkenzell vorstellen.

    Rottenburger informierte weiter, dass sich der Initiativkreis mit Markus Armbruster und Werner Sum weitere Verstärkung geholt habe, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen und die Führung des Vereins auch in Zukunft zu sichern. Zu diesem Zweck wird auch erwogen, die Mitgliedergruppe in absehbarer Zeit durch Eintragung in das Vereinsregister auf eine solide Grundlage zu stellen. Die Mitgliederzahl sei erfreulicherweise konstant, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr sei. Derzeit laufe noch die Dokumentation des Schiltacher Friedhofs und die Sanierung des Pulverhäusles.


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    Daneben werden dieses Jahr Bemühungen zur Erhaltung und Belebung des Silvesterzuges im Vordergrund stehen, was allerdings nicht ohne Koordination und Führungsrolle der Stadt Schiltach zu erreichen sein werde. Dem Präsidenten konnte er die Ausrichtung der Jahresversammlung im Jahr 2019 in Aussicht stellen, was dieser erfreut zur Kenntnis nahm. Dies wäre dann nach 1961, 1973 und 1991 das vierte Treffen der Ortenauer Historiker im Gerber- und Flößerstädtle.

    Rottenburger dankte im Namen des Initiativkreises Bürgermeister Haas und der Stadtverwaltung, Stadtarchivar Morgenstern sowie dem Gesamtverein für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. Kassenwart Marcus Löffler konnte von einem kleinen aber soliden finanziellen Polster der Mitgliedergruppe berichten und Klaus Wolber konnte im Namen der Prüfer eine einwandfreie Kassenführung bestätigen.

    Nach einer kurzen Fragerunde stimmte Willy Schoch die Zuhörer auf den Dokumentarfilm „Die letzten Holzriesen im Schwarzwald“ ein. Der Film wurde im Auftrag der Fürstlich Fürstenbergischen Forstverwaltung Donaueschingen von Gottlieb Cerny gedreht. Er entstand in den Jahren 1955/1956 in Wittichen und Kaltbrunn, deren Gemarkung noch heute einen 90%igen Waldanteil aufweist und sollte ein letztes Zeugnis des Jahrhunderte lang ausgeübten und unverzichtbaren „Riesens“ in den Tälern an der oberen Kinzig sein.

    „Ohne Riesen keine Flößerei“, erklärte Schoch eingangs. Er hatte sich intensiv mit dem Film auseinandergesetzt und konnte den Zuhörern wertvolle Hinweise zu dieser einmaligen Dokumentation, deren Akteure und den damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geben. „Die Flößerei endete bereits 1895, auf das Holzriesen konnte man noch weitere 60 Jahre nicht verzichten“. Er wusste von Unglücksfällen wie dem im Februar 1853 zu berichten und dass von den im Film aktiven Holzhauern heute lediglich zwei noch leben. Der zunehmende Bau von Holzabfuhrwegen machte erst in den 1950er Jahren dieses schwere und überaus gefährliche Handwerk entbehrlich, „das für Mensch und Tier eine wahre Schinderei war“. Schoch zeigte auf, wie sehr sich die Arbeitsweisen und Methoden der Waldbewirtschaftung in den vergangenen sechzig Jahren gewandelt haben. Deutlich wurde dies auch an Zahlen, denn bis zur Hälfte des letzten Jahrhunderts waren in den Forstrevieren auf Gemarkung Kaltbrunn neben drei Förstern und zwei Haumeistern bis zu 60 Waldarbeiter beschäftigt, heute dagegen kein einziger mehr.


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    Der anschließend gezeigte Schwarzweißfilm führte die unterschiedlichen Techniken des Sommer- und Winter-Riesens mit spannenden Bildern eindrücklich vor Augen. Beim gemütlichen Gedankenaustausch, von Klaus Wolber mit frisch gebackener, duftender „Neujahrsbrezel“ aufs Beste versorgt, klang der Abend in gemütlicher Atmosphäre aus.

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    Schiltach, den 18. Januar 2016




    Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden
    am Sonntag, 25. Oktober 2015 in Renchen



    von Reinhard Mahn



    Zur Hauptversammlung lud die Mitgliedergruppe Renchen ein, die dieses Jahr ihr 90jähriges Bestehen feiert. Vertreter der Mitgliedsgruppen aus dem ganzen Vereinsgebiet trafen sich im Renchener Rathaus, wo Sie vom Präsidenten Klaus Kaufmann (Haslach) und der Vorstandschaft begrüßt wurden. Das obere und mittlere Kinzigtal war durch Vertreter aus Schiltach/Schenkenzell, Schapbach, Hausach, Hornberg/Triberg, Haslach, Steinach, Biberach, Zell a. H. und Nordrach vertreten. Die jährliche Versammlung ist eine gute Möglichkeit, persönliche Kontakte zu vertiefen, sich auszutauschen und sich mit der Arbeit in anderen Mitgliedsgruppen vertraut zu machen.

    Große Betroffenheit löste die Nachricht vom Tod von Dr. Gernot Kreutz (Offenburg) aus. Kreutz war langjähriger Vorsitzender der Fachgruppe Kleindenkmale, leitete maßgeblich die Kleindenkmalerfassung im Ortenaukreis und gab den Anstoß zur Dokumentation der Friedhöfe.

    Der Präsident hielt in seinem anschließenden Bericht eine ausführliche Rückschau auf Ereignisse des vergangenen Vereinsjahres, neben verschiedenen Präsidiumssitzungen waren dies eine Vielzahl von Veranstaltungen, die er rechts und links des Rheins sowie in der Schweiz besuchte und bei denen er den Historischen Verein für Mittelbaden vertrat. Bei einem Treffen konnte er unserem Ministerpräsidenten Wilfried Kretschmann die Aktivitäten des Vereins persönlich vorstellen.

    Geschäftsführer Alexander Vallendor berichtete über die finanzielle Entwicklung. Einnahmen und Ausgaben hielten sich fast die Waage, wobei auf der Ausgabenseite der Löwenanteil wieder für die Mitgliederzeitschrift „Die Ortenau“ aufzubringen war. Wie in den Vorjahren war die Entwicklung der Mitgliederzahlen wiederum leicht rückläufig. Die Kassenprüfung wurde gemäß den steuerlichen und gesetzlichen Vorgaben durchgeführt, die Prüferinnen bescheinigten dem Geschäftsführer eine einwandfreie Kassenführung, die Entlastung erfolgte einstimmig.

    Anschließend berichtete Dr. Martin Ruch als verantwortlicher Redakteur über die Entstehung des aktuellen „Ortenau“-Jahresbandes und bedankte sich bei Autoren und Vorstand. Auch 2015 sei die Mischung aus themenbezogenen („Hexenverfolgung“) und freien Beiträgen wieder gut gelungen. Das Leitthema 2016 laute „Unterwegs – zu Lande, zu Wasser, zu Luft. Aus der Geschichte der Verkehrswege“. Die „Ortenau“-Bände sind nun von 1910 bis einschließlich 2009 digitalisiert, alle Beiträge stehen jedem Interessierten somit kostenlos zur Verfügung. Einen direkten Zugang finden Sie
    hier. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Vereinsbibliothek im Handwerkermuseum in Kehl-Kork wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis zum Jahresende geschlossen bleibt. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Louis Schlaefli aus Strasbourg, der sich als Autor und Förderer des Literaturaustausches zwischen der rechten und linken Rheinseite verdient gemacht hat, endete der geschäftliche Teil.

    Dem Empfang durch die Stadt Renchen schloss sich der Festvortrag an. Dr. Heiko Wagner (Kirchzarten) referierte zum Thema „Der Renchener Schlossberg – Archäologische Forschungen zu Burg und Oberstadt“. Er beleuchtete dabei die Burg- und Stadtgeschichte, stellte auf eindrucksvollen Bildern die Funde der vergangenen Jahre vor und kommentierte sie kompetent.

    Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgte die Besichtigung der „Stadtgeschichtlichen Sammlung“, die mit viel Bürger-Engagement in den Räumen eines ehemaligen Kolonialwarenladens eingerichtet wurde. Die Begehung des Schlossberges mit Blick über die Stadt und die Rheinebene rundeten einen informativen und geselligen Sonntag ab.

    Schiltach, den 02. November 2015



    Bauernmarkt-Nachlese:

    Erneut viele interessierte Besucher bei der Foto-Ausstellung „Bekannte und verborgene Klein- und Kulturdenkmale in Schiltach und Schenkenzell“



    Von Reinhard Mahn



    Als seinen Beitrag zum neunten Schiltacher Stadtfest hatte der Historische Verein schon Ende Juni eine umfangreiche Foto-Ausstellung präsentiert. Aufgrund der guten Resonanz entschloss sich der Initiativkreis, die Ausstellung anlässlich des Bauernmarktes nochmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Von 11-17 Uhr wurden daher nochmals auf insgesamt 13 Stellwandflächen über 140 Fotografien im Lesesaal im Lehengerichter Rathauses präsentiert. Viele einheimische und auswärts lebende Schiltacher und Schenkenzeller, Bürger aus den Nachbargemeinden sowie Gäste aus der weiteren Umgebung nutzten ihren Marktbesuch und informierten sich über die in den Jahren 2012 und 2013 erfolgte Dokumentation der Kleindenkmale und Grenzsteine in Schiltach, Lehengericht, Schenkenzell und Kaltbrunn.


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    Viele Besucher verweilten vor den gelungenen Fotos der wunderschönen und ganz unterschiedlich gearbeiteten Grenzsteine entlang unserer Gemarkungsgrenzen, die in ihrer Vielfalt und auch ihrem guten Erhaltungszustand beeindrucken. Die Präsentation beleuchtete zudem die Themenschwerpunkte technisch-wirtschaftliche Bauwerke, Verkehrsinfrastruktur, Wasserversorgung, Kleingebäude, religiöse und weltliche Erinnerungssteine und Denkmale sowie den Bergbau. Das Gros der Fotografien lieferten dabei Hans Harter, Willy Schoch, Klaus Wolber und Reinhard Mahn, abgerundet wurde die Schau durch Aufnahmen von Jürgen Hils und Matthias Zizelmann. Manchen der aktuellen Fotos waren verdeutlichend alte Bilder, Zeichnungen und Skizzen beigefügt worden.

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    Während der Öffnungszeit standen Mitglieder des Historischen Vereins den Besuchern Rede und Antwort. Dabei ergaben sich spontan aufschlussreiche Gespräche und Diskussionen, die manch unbekannte Geschichten zu den dargestellten Objekten an den Tag brachten.

    Ziel der Ausstellung war einerseits, auf diese oft unscheinbaren Zeitzeugen aufmerksam zu machen und Interesse an ihnen zu wecken, andererseits die Bevölkerung für den Erhalt dieser teils einzigartigen Kulturschätze unserer Heimat zu sensibilisieren. Sie sind ein Schatz, den es zu pflegen und zu erhalten gilt.


    Schiltach, den 24. Oktober 2015





    „Hexenforschung“

    ist Schwerpunktthema im neuen Jahrbuch „Die Ortenau“ –
    auch Schiltacher Autoren sind wieder mit Beiträgen vertreten



    Von Reinhard Mahn



    Ende September brachte der Spediteur die druckfrischen, freundlich-roten Bände mit dem hohen Wiedererkennungswert auch wieder nach Schiltach: Fast 80 Bücher des Jahrgangs 2015 wurden angeliefert und vom Initiativkreis im Handumdrehen an die Mitglieder in der Region verteilt. Gar manches Mitglied hat zwischenzeitlich in der 95. „Ortenau“-Ausgabe geschmökert und festgestellt, dass der Schriftleitung wieder ein solides und ausgewogenes Jahrbuch gelungen ist.

    Für die Ausgabe 2015 hatte die Redaktion schon vor geraumer Zeit das Schwerpunktthema „Alte und neue Quellen zur Hexenforschung“ gewählt. Ein Themenkreis, der angesichts der vielen Hexenprozesse, die gerade auch im mittelbadischen Raum gegen Frauen, Männer und gar nicht selten auch gegen Kinder geführt wurden, eine breite Palette an Einsendungen versprach.

    Zwölf Beiträge beleuchten auf über 210 Seiten unterschiedlichste Facetten dieser düsteren Ära unserer Regionalgeschichte, die von Aberglauben wie Angst vor Verwünschungen und Schadzauber geprägt ist und ihre Opfer meist unter den Wehrlosen und Ausgegrenzten, vornehmlich Armen und Witwen fand. In den Archiven bisher zum Teil nicht aufgearbeitete Quellen ließen neue Einblicke in die gesellschaftliche Situation des 16. und 17. Jahrhunderts zu, und damit auch manch neue Bewertung der damaligen Vorgänge.

    „Zwischen Himmel und Hölle“ bewege sich die Thematik des neuen Jahresbandes der Vereinszeitschrift, meinte die „Mittelbadische Presse“ am 14. Oktober 2015 angesichts der Präsentation der Publikation in Gengenbach. Auf über 630 Seiten bietet der Band in gewohnt gewissenhafter und wissenschaftlicher Manier ein breites Spektrum an regionalgeschichtlichen Informationen und das, wie der „Schwarzwälder Bote“ gleichentags ausdrücklich bemerkt „in verständlicher Sprache verfassten Beiträgen“.

    Auf mehr als 400 weiteren Seiten folgen einundzwanzig freie Beiträge, dazu die Rubriken „Junge Autoren“, „Forum“, Neue Literatur und Nachrichten. Berichte der Mitglieder- und Fachgruppen sowie Vereinsmitteilungen runden die von Redakteur und Präsidiumsmitglied Martin Ruch wieder sorgfältig zusammengestellte Publikation ab.


    Hans Harter, äußerst aktiver Schiltacher Historiker, ist erfreulicherweise auch wieder als Autor im neuen Jahrbuch vertreten, was angesichts des Schwerpunktthemas aber nicht wirklich verwundert. Nach seiner Veröffentlichung „Der Teufel von Schiltach“ im Rahmen der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach“ aus dem Jahr 2005, wo er die Ereignisse des Jahres 1533, deren Deutungen und Wirkungen anhand der Quellenlage aufzeigte, griff er das Thema nun erneut auf.

    Nach intensiver Auseinandersetzung mit den erhaltenen Aufzeichnungen und Berichten über den Brand und dem daraufhin in Oberndorf/N. stattgefundenen Prozess gegen „Scherlins Magd“, die vermeintliche Hexe, bietet Harter einen neuen Deutungsversuch zu den damaligen Ereignissen im Städtle vor dem Hintergrund geschichtlicher und militärischer Fakten an. Sie dürfen gespannt sein, welche Schlüsse der Historiker in seiner neuesten Veröffentlichung zieht.


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    Zum ersten Mal unter den Autoren findet sich Vereinsmitglied Andreas Morgenstern, Museums- und Archivleiter in Schiltach. Sein freier Beitrag beschäftigt sich mit der parallel zum I. Weltkrieg einher gegangenen Teuerung. Die Verknappung von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs führte auch in Schiltach bereits während des Krieges zu spürbar steigenden Preisen, was sich nach Kapitulation und beginnender Zahlung der Reparationsleistungen bis 1923 zu einer gigantischen Über-Inflation steigerte. In deren Verlauf konnten die Geldpressen den Bedarf an Banknoten nicht mehr decken, sodass sich viele Kommunen, so auch Schiltach und die benachbarten Städte im Kinzigtal gezwungen sahen, eigene „Gutscheine“ und Notgeld auszugeben. Das Ende vom Lied war eine immense Vernichtung von Werten und Vermögen, was breite Bevölkerungsschichten in der Existenz traf.

    Schon allein diese beiden Beiträge machen Lust auf Stöbern, Lesen und eigenständiges Erkunden in der vorliegenden Veröffentlichung. Eine Rückschau auf das vergangene Jahr dokumentiert zudem die vielfältigen Aktivitäten unserer Mitgliedergruppe. Eine ganze Reihe weiterer, thematisch unterschiedlicher, aber immer kompetent recherchierter Beiträge sind eine Fundgrube für alle Freunde der Heimatgeschichte.

    „Die Ortenau“ 2015 kann über den Initiativkreis des Historischen Vereins zum Preis von EUR 28,00 erworben werden. Falls Sie Mitglied werden, erhalten Sie den Jahresband zum Vereinsbeitrag (Vorzugspreis). Bei Interesse wenden Sie sich bitte an ein Mitglied des Initiativkreises, die Kontaktdaten finden Sie unter „Initiativkreis“.


    Schiltach, den 17. Oktober 2015




    Ab 27. September 2015 ist im „Museum am Markt“ die neue Sonderausstellung zu sehen.

    Gerne weisen wir auf diese Präsentation der Stadt Schiltach hin und laden zu deren Besuch ein:




    Neue Ausstellung „Die Bibel – besondere Ausgaben“
    zeigt zahlreiche wertvolle Bibeln in Schiltach



    Bibeln in großer Vielfalt sind ab dem 27. September 2015 im „Museum am Markt“ in Schiltach zu sehen. Die neue Sonderausstellung „Die Bibel – besondere Ausgaben“ präsentiert unterschiedliche Ausgaben vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

    Die Heilige Schrift ist das meist verkaufte und gelesene Buch, aber auch das Buch mit den meisten unterschiedlichen Ausgaben weltweit. Hierzulande ist sie in beinahe jedem Haus zu finden. Zahlreiche Leihgaben ermöglichen eine Präsentation besonderer Bibelexemplare im Museum am Markt bis zum 6. Januar 2016.

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    Highlights der Ausstellung sind u. a. ein limitierter Probedruck der Fünf Bücher Mose in der Jessen-Schrift von 1926, eine Cotta’sche Bibel von 1729, eine Hohenlohe’sche Bibel von 1756, eine Kinderbilderbibel von 1906 sowie ein handgeschriebenes Gebetbuch von 1814. Einen besonderen Raum nehmen die zahlreichen erhalten gebliebenen Traubibeln ein, welche etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts an die Brautpaare überreicht wurden und heute in den Familien bewahrt werden. Erzählt werden aber auch Geschichten einer besonderen persönlichen Beziehung zur Bibel.

    Neben der Präsentation historischer Ausgaben aus dem 18. Jahrhundert dokumentiert die Ausstellung die stärkere Verbreitung der Bibel im 19. Jahrhundert und besondere Exemplare des 20. Jahrhunderts. Unterschiedliche, seltene deutschsprachige Übersetzungen werden ebenso präsentiert wie wertvolle fremdsprachige Bibeln.

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    Weitere Informationen:
    Museumsleiter Dr. Andreas Morgenstern
    07836-5875
    morgenstern@stadt-schiltach.de

    Schiltach, den 08.09.2015





    Arbeitskreis will Floßweiher retten

    Initiative mit Experten aus mehreren Kommunen setzt sich für den
    Erhalt der alten Holztransportsysteme ein


    Von Willy Schoch

    Die Flößerei auf der Kinzig und ihren Nebenflüssen endete 1894. Auf Gemarkung Schenkenzell/Kaltbrunn sind heute noch Reste von Schwallungen aus jener Zeit vorhanden, Zeugen der Vergangenheit, um die sich ein neugegründeter Arbeitskreis „Floßweiher“ annehmen will.

    Im Landkreis Rottweil wurde 2012/2013 die Kleindenkmalerfassung durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurden auch in Schenkenzell und Kaltbrunn 121 Kleindenkmale und 439 markante ehemalige Landesgrenzsteine schriftlich und fotografisch dokumentiert.

    Erfasst wurden auch die Schwallungen in der Lay, im Grüßgott-Tal, in Wittichen und im Heubachtal. Alle Sandsteinbauwerke aus der Zeit der Flößerei, einem einst bedeutsamen Gewerbe. Etwa 600 Jahre wurde auf der Kinzig mit ihren Nebenflüssen (so auch der Reinerzau) geflößt.

    Bis dahin ruhte der Holzhandel ganz auf der Flößerei. Geflößt wurde in der Hauptsache Stammholz, aber auch Scheiter und Rollen. Zuerst mussten die geschlagenen Baumstämme von den Hängen in die Täler zu den Bachläufen befördert werden. Dies geschah über Stein- oder Erdriesen. Von dort wurden die teilweise über 30 Meter langen Holländerstämme mit Pferden zur Herrichtung der Flöße an die Einbindeplätze gezogen.

    Dann wurde das Floß zu Wasser gelassen. Nun begann eine wilde, aufregende und gefährliche Fahrt talwärts. Ein Floß brauchte von der Lay oder Grüßgott im hinteren Kaltbrunner Tal bis zum Schenkenzeller Weiher bei der Schenkenburg rund eineinhalb Stunden. Dies aber nur dann, wenn keine Zwischenfälle eintraten. Zum Vergleich: Ein Fußgänger braucht für dieselbe Strecke zweieinhalb Stunden.

    Schwellwasser ersetzte Hochwasser

    Heute fragt man sich, wie auf diesem armseligen Rinnsal des Kaltbrunner Baches in den Sommermonaten jemals ein Floß schwimmen konnte, außer bei Hochwasser. Die Lösung war, durch Stauungen künstliches Hochwasser, sogenanntes Schwellwasser, zu schaffen. Die noch vorhandenen Schwallungen auf Kaltbrunner Gemarkung wurden alle um 1842 in massiver Bauweise neu erstellt.
    In der Lay waren es gleich 2 Stauweiher hintereinander mit Staulängen von 100 und 60 Meter. Bei dieser Wasserstaumenge waren die Staumauern bis zu acht Meter stark und 4,20 Meter hoch.


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    Schwallung Lay in Hinter-Kaltbrunn. Eine Sandsteinmauer quer über den Bach. In der Mitte eine Öffnung. Darin befand sich eine Bohlenfalle. Foto: Willy Schoch



    Nicht nur das Schwellwasser war für einen ordentlichen Floßbetrieb unverzichtbar. Auch das Bachbett musste geebnet, enge Windungen begradigt und Bäume und Büsche am Ufer entfernt werden. Dies war das „Bachrohmen“ (=Bachräumen), eine ebenfalls beschwerliche und zeitaufwändige Arbeit.

    Die Flößerei, die vielen Menschen einen guten Verdienst brachte, ist seit 120 Jahren Vergangenheit. Für den Abtransport des Schwarzwälder Holzreichtums an die Bestimmungsorte stehen heute Spezialfahrzeuge, gut ausgebaute Waldwege und Straßen zur Verfügung.


    Zahn der Zeit nagt an den historischen Bauwerken

    Was aber bis heute noch blieb, sind die Floßweiher. Wohl nirgends im Bereich der oberen Kinzig und des Wolftales sind solche historische Bauwerke aus der Flößerzeit in dieser Größenordnung noch vorhanden wie in der Gemeinde Schenkenzell. Der Zahn der Zeit nagt aber unerbittlich an diesen Denkmalen. Starke Hochwasser unterspülen immer mehr die Mauerwerke, Sandsteine brechen aus. „Es ist also Eile geboten“, so Heimatforscher Willy Schoch. In den Schiltacher Flößern fand er kundige Ansprechpartner.

    Zwischenzeitlich wurde ein Arbeitskreis „Floßweiher“ gebildet, dem Experten aus Schiltach, Schenkenzell, Reinerzau, Alpirsbach, Ehlenbogen und Wolfach angehören. Dieser Arbeitskreis macht es sich zur Aufgabe, die alten Holztransportsysteme (Riesen, Schwallungen, Einbindeplätze) zu erfassen, zu dokumentieren und möglichst vor dem Verfall zu retten.

    Mit der Freilegung der Schwallungen wird im Herbst dieses Jahres vor Ort begonnen. Die Fürstlich-Fürstenbergische Forstverwaltung als Grundstückseigentümer wird diese Aktion auf ihre Kosten übernehmen. Damit wären die Bauwerke von den Fahrwegen aus wieder besser einsehbar. Im nächsten Jahr ist dann vorgesehen, die Sandsteinmauern von Moos und sonstigem Bewuchs zu befreien.

    Langfristig gesehen, soll dann die Sanierung der Floßweiher angegangen werden. Der finanzielle Aufwand dürfte sicherlich nicht unwesentlich sein. Ohne die Mithilfe der Gemeinden Schenkenzell, Schiltach und Wolfach lässt sich so was allerdings nicht verwirklichen, dessen ist sich der Arbeitskreis bewusst. Dazu wäre eine zusätzliche Förderung durch den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord oder durch Zuschüsse aus dem Leader-Programm sehr hilfreich.



    Dieser Artikel erschien erstmals am 03. Juni 2015 im „Schwarzwälder Bote“











    Der Registerband 2002-2013 zur Mitgliederzeitschrift „Die Ortenau“ ist da

    Die Jahresbände der Mitgliederzeitschrift „Die Ortenau“ des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. informieren jährlich auf weit über 500 Seiten über verschiedenste Projekte der Geschichtsforschung in unserer Region, über die Arbeit des Vorstandes sowie die Aktivitäten der Mitglieder- und Fachgruppen.

    Von Zeit zu Zeit gibt der Verein einen „Registerband“ in Auftrag, also ein hilfreiches Nachschlagewerk, mit dem man problemlos nach Stichworten, Themen, Beiträgen und Autoren suchen kann. Der vorige Band umfasste die Jahre 1991 bis 2001. Für die systematische Forschung sind diese Bände unerlässlich.

    Der aktuelle Registerband für die Jahre 2002 bis 2013 wurde in mühevoller ehrenamtlicher Arbeit von Dr. Gernot Kreutz zusammengestellt und liegt seit kurzem vor. Wir haben noch einige Exemplare zur freien Verfügung und können diese gerne zum Selbstkostenpreis von € 10 pro Band abgeben.

    Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Marcus Löffler, Mail: marcus.loeffler@geschichte-schiltach-schenkenzell.de oder abends auch Tel. 07836/378020.


    Schiltach, den 18. April 2015





    Ab sofort präsentiert das „Museum am Markt“ in Schiltach eine neue Sonderausstellung.
    Veranstalter sind das Stadtarchiv und die Stadt Schiltach.
    Auf diese Ausstellung möchten wir Sie freundlich hinweisen:




    „Über Grenzen hinweg.
    Als der Bundespräsident aus Schiltach kam
    und weitere Geschichten“




    Am 17. April 2015 startet im Schiltacher Museum am Markt die neue Sonderausstellung „Über Grenzen hinweg. Als der Bundespräsident aus Schiltach kam und weitere Geschichten“.

    Grenzen trennen und verbinden, erfordern die Auseinandersetzung mit fremden Ideen und Regeln, eröffnen neue Perspektiven. Die Ausstellungstücke spüren solchen Grenzen überschreitenden Geschichten aus Schiltach nach.

    Seit 25 Jahren pflegen die Schiltacher eine Städtefreundschaft mit ihren Landsleuten aus dem sächsischen Geising. Aus der ersten Begegnung von Vertretern Schiltachs mit ihren erstmals demokratisch gewählten Kollegen in der damaligen DDR 1990 entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein enger Austausch. Die historischen Ausstellungsstücke erinnern an die praktische Zusammenarbeit und sind inzwischen Zeugen gelebter deutsch-deutscher Geschichte.

    Knapp 100 Jahre zuvor knüpften Schiltacher 1893 grenzüberschreitende Kontakte: Über die badisch-württembergische Grenze hinweg trafen sie sich mit ihren Gästen aus Schramberg, Alpirsbach oder Wolfach zum „Schiltacher Städtebund“. An der Spitze stand ihr „Bundespräsident“. In fröhlicher Atmosphäre feierten die Schwarzwälder am Neujahrstag im Gasthaus „Krone“ ihren Zusammenhalt sowie gemeinsame Erfolge, wie den Bau der grenzüberschreitenden Kinzigtalbahn.

    Darüber hinaus zeigen weitere Geschichten die Vielschichtigkeit des Grenzbegriffs: Lehrpläne für „zukünftige Hausfrauen“, durch Europa irrende Post aus Schiltach, eine Krippenszene in einer Laterne zum Schiltacher Silvesterzug oder das „Land mit X“.

    Die Ausstellung soll zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Das Plakat zur Ausstellung finden Sie hier.


    Das „Museum am Markt“ und die Sonderausstellung sind vom 17. April 2015 bis -20. September 2015 täglich 11-17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


    Schiltach, den 17. April 2015




    Aus der Mitgliederversammlung vom 16. Januar 2015
    Rückblick – Vorhaben 2015 – Initiative für den „Silvesterzug“


    Von Reinhard Mahn



    Als Sprecher des Initiativkreises konnte Peter Rottenburger in der gemütlichen „Treffpunkt-Stube“ zahlreiche Mitglieder und Gäste sowie den fast vollzähligen Initiativkreis begrüßen. Dabei umriss er die Anliegen und derzeitigen Aktivitäten der Mitgliedergruppe.

    In seinem Jahresrückblick rief Schriftführer Reinhard Mahn die Veranstaltungen und Ereignisse des zurückliegenden Vereinsjahres in Erinnerung. Der Mitgliederversammlung mit Zeitzeugenrunde folgten Vorträge in Schenkenzell und Schiltach über die Dokumentation der Kleindenkmale und ein Literaturabend zu Johann Peter Hebel. Anfang August machte eine Exkursion durchs Städtle den Beginn des Ersten Weltkrieges vor einhundert Jahren nacherlebbar und eine Ausstellung von Gedenkblättern und Gedenktafeln im Lehengerichter Rathaus erinnerte an die über 150 Kriegstoten aus Schiltach und Lehengericht. Im Herbst begeisterte Prof. Konrad Kunze Zuhörer aus der ganzen Region mit seinen Forschungen zum alemannischen und schwäbischen Dialekt. Eine Dokumentation des Schiltacher Friedhofs konnte begonnen werden und ein Arbeitseinsatz zur Erhaltung des Kleindenkmals „Pulverhäusle“ beschloss ein abwechslungsreiches Vereinsjahr.

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    Peter Rottenburger berichtete über die vielschichtige Vereinsarbeit, freute sich über eine steigende Zahl von Mitgliedern und konnte mit Marcus Löffler (Schwerpunkt Kasse und Mitgliederbetreuung) Zuwachs im Initiativkreis vorstellen, gleichzeitig bestätigte er eine einwandfreie Kassenführung.

    Sorge bereite ihm die Entwicklung im Blick auf den traditionellen Silvesterzug, der in den letzten Jahren in der Bevölkerung offensichtlich stark an Akzeptanz verloren habe. Mit den Teilnehmerzahlen ginge auch die Zahl der aktiven Sänger zurück, scheinbar seien auch viele Schiltacher mit den alten Liedern nicht mehr vertraut. An Bürgermeister Haas gewandt, rief er zu gemeinsamen Anstrengungen von Stadt, Kirchen und Vereinen auf, um diesen einmaligen und für Schiltach so typischen Brauch am Leben zu erhalten und ihm wieder neue Impulse zu geben. Diese Anregung quittierten die anwesenden Mitglieder mit großer Zustimmung. Der Historische Verein und die Stadt werden im Laufe des Jahres Möglichkeiten sondieren, das Interesse am traditionellen Silvesterzug wieder zu wecken.

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    Anschließend umriss der Sprecher des Initiativkreises die Planungen für das laufende Jahr. Bereits im März wird sich ein Vortrag im Foyer der Friedrich-Grohe-Halle mit bergbaulichen Erkundungen rund um Schiltach beschäftigen. Im April würdigt eine Ausstellung im Schenkenzeller „Haus des Gastes“ den vielseitigen Heimatkünstler Franz Kinle. Im Juni folgt im „Treffpunkt“ ein Literaturabend über den schwäbischen Dichter Wilhelm Hauff und im Rahmen des Stadtfestes präsentieren die Schiltacher und Schenkenzeller Kleindenkmal-Erfasser im Schiltacher Rathaus-Foyer eine Foto-Ausstellung kostbarer Kleindenkmale in unseren Gemeinden. Für den Sommer sind Wanderungen zu besonders eindrucksvollen Kleindenkmalen in Schenkenzell und Schiltach angedacht. Im Oktober folgt ein Vortrag über neue Erkenntnisse zur Erforschung und Bedeutung der ehemaligen römischen Straßenstation „Brandsteig“, dem nach neuesten Forschungen ein stattlicher Tempelbezirk angeschlossen war. Ein Abend über die Mythen um die Raunächte (Weihnachten bis Dreikönig) wird das Vereinsjahr im Dezember beschließen. Näheres dazu finden Sie auch unter Termine.

    Die anschließende kurze Diskussionsrunde brachte einige interessante Vorschläge aus dem Kreis der Mitglieder zutage, darunter Hinweistafeln auf die Standorte ehemaliger Betriebe, die längst aus der Landschaft und dem Bewusstsein verschwunden sind, die bessere Ausschilderung der auf unseren Gemarkungen erhaltenen Burgruinen und die Möglichkeit der Übernahme von Patenschaften für Kleindenkmale und Grenzsteine. Der Initiativkreis wird diese Ideen aufgreifen, prüfen und verfolgen.

    Danach warteten die Zuhörer gespannt auf den Vortrag von Dr. Hans Harter zum Thema

    „Schiltacher Schicksale 1914/1918“


    Einen Bericht darüber sowie den Audio-Mitschnitt finden Sie unter Themen/Vorträge.


    Schiltach, den 22. Januar 2015


    „Historischer Verein für Mittelbaden“ schafft sich ein neues Fundament –Jahresversammlung in Lahr verabschiedete neue Satzung


    Von Reinhard Mahn


    Zum besseren Verständnis möchten wir Ihnen heute einmal über Struktur und Organisation unseres Vereines sowie die kürzlich stattgefundene Jahresversammlung berichten.

    Für den Begriff „Mittelbaden“ gibt es keine allgemeingültige Definition, unser Vereinsgebiet umfasst als Kerngebiet jedoch den Ortenaukreis, dazu den südlichen Teil des Kreises Rastatt (Altkreis Bühl), den Stadtkreis Baden-Baden, im Osten die nach der Gebietsreform den Kreisen Freudenstadt und Rottweil zugeordneten Gemeinden des ehemaligen Kreises Wolfach und im Südosten die zum Schwarzwald-Baar-Kreis gehörende Stadt Triberg. Die nördlichste Mitgliedergruppe ist Rastatt, die südlichste Ettenheim, die östlichste Schiltach/Schenkenzell und die größte Kehl am Rhein. Der 1910 gegründete Verein hat seinen Sitz in Offenburg.

    Neben den Mitgliedergruppen sind „Fachgruppen“ die zweite Säule des Vereins. Hier wird Forschungsarbeit geleistet oder man beschäftigt sich mit speziellen Themen. Derzeit sind die Fachgruppen für Archäologie, Archive, Bergwesen, Denkmalpflege/Ortsgeschichte, Flurnamen und Mundart, Jüdische Geschichte in der Ortenau, Kleindenkmale und Wandmalerei aktiv.

    Von den 30 Mitgliedsgruppen des Historischen Vereins für Mittelbaden trafen sich die Vertreter von 19 Ortsverbänden sowie einiger Fachgruppen Ende Oktober in Lahr. Neben der Jahresversammlung im Herbst, die jährlich von einer anderen Mitgliedergruppe ausgetragen wird, bietet der Verein auch eine Frühjahrstagung in Kehl-Kork an, wo über die Aktivitäten im Vorjahr berichtet, aktuelle Vorhaben und Organisationsfragen besprochen und Kontakte gepflegt werden können.

    Ausrichtende Mitgliedergruppe der Jahresversammlung 2014 war die Regionalgruppe „Geroldsecker Land“. Klaus Kaufmann als Präsident des Gesamtvereins hieß die Teilnehmer herzlich willkommen, blickte kurz auf Veranstaltungen und Ereignisse des vergangenen Vereinsjahres zurück und machte Appetit auf Johannes Suhms Dokumentarfilm „New Offenburg – Die letzten Badener der USA“, dessen Finanzierung auch vom Historischen Verein unterstützt wurde. Das Werk läuft seit Mitte November in verschiedenen Kinos der Region. Der in Offenburg geborene Schauspieler und Filmemacher besuchte in Missouri (USA) die vermutlich letzten deutschstämmigen Auswanderer, die noch den niederalemannischen Dialekt ihrer Urgroßeltern sprechen.

    Geschäftsführer Alexander Vallendor berichtete über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Herstellung des Jahrbuchs „Die Ortenau“ war der bei weitem größte Ausgabeposten. Die Entwicklung der Mitgliederzahl auf etwas über 2.800 war wiederum leicht rückläufig, Ursache sei neben dem demographischen Faktor jedoch auch eine „Bestandsbereinigung“ einiger Mitgliedergruppen gewesen. Er ist damit einer der großen Geschichtsvereine Deutschlands.

    Redakteur Martin Ruch gab Einblick in die Entstehung des 640seitigen Jahresbandes 2014 und bedankte sich bei Autoren und Vorstand. Auch dieses Jahr sei die Mischung aus themenbezogenen und freien Beiträgen wieder gut gelungen. Das Schwerpunktthema 2015 lautet „Alte und neue Quellen zur Hexenforschung“ und 2016 geht’s in „Unterwegs – zu Lande, zu Wasser, zu Luft" um die Geschichte der Verkehrswege. Redaktionsschluss ist ab sofort jeweils bereits am 1. Februar. Der Registerband 2002-2014 ist in Arbeit, ein Termin für die Auslieferung steht noch nicht fest. Alle „Ortenau“-Bände sind nun bis einschließlich 2008 digitalisiert, jeder Beitrag und manches andere Interessante über den Verein kann über
    www.historischer-verein-mittelbaden.de aufgerufen und gelesen werden.

    Zentraler Tagesordnungspunkt war die Verabschiedung der neuen Vereinssatzung, die maßgeblich aktualisiert wurde und nun den aktuellen Anforderungen des Vereins- und Steuerrechts entspricht. In mehreren vorausgegangenen Beratungen war der Wortlaut von den Delegierten der Mitgliedergruppen beraten und festgelegt worden. Die 14 Paragraphen umfassende Satzung wurde zur Diskussion gestellt und einstimmig verabschiedet.

    Bei den Wahlen zum Präsidium wurden die bisherigen Amtsinhaber bestätigt. Präsident bleibt Klaus Kaufmann (Haslach), 1. Stellvertreter Cornelius Gorka, 2. Stellvertreter Klaus Gras. Weitere Mitglieder im Präsidium sind Geschäftsführer Alexander Vallendor, Redakteur Martin Ruch sowie kraft Amtes Renate Demuth, Leiterin der Vereinsbibliothek. Koordinator für grenzüberschreitende Themen ist weiterhin René Siegrist.

    Beim anschließenden Empfang durch die Stadt Lahr erläuterte OB Müller die Aktivitäten und den Umgang der Großen Kreisstadt im Blick auf ihre Geschichte und verwies auf die Landesgartenschau 2018, zu der römische Ausgrabungen rekonstruiert und die reichlich vorhandenen Funde aus Dinglingen ansprechend präsentiert werden sollen.


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    Bedeutendes Bauwerk mit langer Geschichte: Die Kirche St. Peter in Lahr-Burgheim
    Foto: Badische Zeitung


    In seinem Festvortrag „Von Römern, Alamannen und frommen Mönchen: Die Ortenau zwischen Antike und Mittelalter – Forschungsstand und Zukunftsperspektiven“ zeigte Dr. Niklot Krohn (Freiburg) am Beispiel der südlichen Ortenau anschaulich auf, dass das Gebiet relativ fundarm sei, was möglicherweise auf die im Landesvergleich schwache Forschungstätigkeit zurück zuführen ist. Dagegen ist das Vorkommen an Klöstern überdurchschnittlich, dies sei es wert, in Zukunft mehr beachtet zu werden. Die romanische Kirche von Lahr-Burgheim mit ihrem römischen Brunnen ist die älteste Kirche Südwestdeutschlands, sie ist auf den Fundamenten des Badhauses eines römischen Gutshofes errichtet. Mit einer Besichtigung und fachkundigen Führung durch dieses Kleinod mit seinen frühen Wandmalereien fand die Jahresversammlung am späten Nachmittag ihren Abschluss.

    Haben Sie Fragen zum Verein oder unserer Mitgliedergruppe können Sie sich gerne an die Mitglieder unseres Initiativkreises wenden.

    Schiltach, den 01. Dezember 2014


    Stadt Schiltach dankt für Erfassung der Kleindenkmale
    Budget für Erhaltung in Aussicht gestellt

    Von Martina Baumgartner

    In der gemeinsamen Sitzung des Gemeinde- und Ortschaftsrates am 12. November 2014 erklärten die Erfasser der Kleindenkmale den versammelten Räten sowie den Mitarbeitern der Verwaltung ihre Erhebungsarbeit in den Jahren 2012 und 2013. Alle Beteiligten sind aktive Mitglieder in der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell des Historischen Vereins.

    Hans Harter, Reinhard Mahn, Klaus-Ulrich Neeb und Klaus Wolber hatten im Auftrag des Landkreises Rottweil in Schiltach und Lehengericht etwa 150 Kleindenkmale und entlang der ehemaligen Landes- und Gemarkungsgrenze über 170 markante Grenzsteine aufgenommen, kartiert und katalogisiert. Dazu gehörten neben Bauwerken, die der Wasserversorgung dienten oder dem Verkehr nutzten auch Bahnanlagen und Laderampen, Bergwerke, Sandgruben, religiöse Relikte sowie Bauwerke aus dem Bereich der Friedhofs- und Gedenkkultur.

    Kleindenkmale stehen nicht ausdrücklich unter Denkmalschutz, prägen eine Landschaft jedoch ebenso wie ihre „großen Brüder“, die Kulturdenkmale, so Hans Harter. Ihre Erhaltung sei gefährdet, Unterhaltung und Pflege sei Sache der Privateigentümer – und nicht selten teuer. Manchmal fühlt sich einfach auch niemand zuständig, weshalb Kleindenkmale teilweise unbemerkt verfielen. Ebenso führten Diebstahl und geringe Wertschätzung zu erheblichen Verlusten. Auch die heute praktizierte automatisierte Form der Waldbewirtschaftung führe zu mitunter irreparablen Schäden. Klaus Wolber, der in seinem Gebiet eine erhebliche Zahl aus dem Boden gerissener und teilweise zerstörter Grenzsteine dokumentieren musste, schlug einen Ortstermin im Rahmen einer Wanderung entlang der Grenzlinie von der Ebersbacher Höhe zum Dornacker vor, um sich ein Bild vom Zustand der dort noch vorhandenen ehemaligen Grenzmarkierungen zu machen.

    Die Mitglieder des Historischen Vereins wünschten sich von der Verwaltung bei der aktuellen Haushaltsplanung daher die Einstellung eines „gewissen Geldbetrages“, wie Harter im Namen des Erfasserteams formulierte, um gerade private Eigentümer bei Pflege und Erhalt der Kleindenkmale unterstützen zu können. Bürgermeister Haas konnte sich eine derartige Unterstützung durchaus vorstellen und sagte eine wohlwollende Prüfung zu. Er würdigte die mühevolle aber lohnenswerte Arbeit der Kleindenkmalerfasser und dankte ihnen seitens der Stadt mit Präsenten.

    Harter appellierte abschließend an den Rat: „Kleindenkmale sind ein Schatz, den es zu pflegen und zu erhalten gilt. Es heißt ja auch schließlich Denkmal und nicht Vergissmal“, was wiederum auch als eine Aufgabe verstanden werden könne.


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    Bürgermeister Thomas Haas (von rechts) bedankte sich für ihre Arbeit bei Klaus Wolber,
    Klaus-Ulrich Neeb, Hans Harter und Reinhard Mahn. Foto: Martina Baumgartner



    Schiltach, den 19. November 2014



      Das Jahrbuch „Die Ortenau 2014“ ist da –
      Schiltacher Autoren sind wieder mit von der Partie



      Von Reinhard Mahn



      Ende Oktober, ganz knapp vor der Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. in Lahr, erhielten wir die druckfrischen, freundlich-roten Bände des Jahrgangs 2014 mit dem hohen Wiedererkennungswert. Sie wurden von den Mitgliedern des Initiativkreises sofort an alle Vereinsmitglieder in Schiltach, Schenkenzell und St. Roman verteilt.

      Die Redaktion hatte auch für die Ausgabe 2014 wieder ein Schwerpunktthema festgelegt. Angesichts des Kriegsbeginns vor 100 Jahren kam der vorgegebene Themenkreis „I. Weltkrieg“ daher nicht überraschend.

      17 Beiträge mit einem Umfang von 400 Seiten, die diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten, hatte die Schriftleitung in den 94. Jahresband aufgenommen. Auf weiteren gut 150 Seiten folgen neun freie Beiträge sowie drei kleinere Aufsätze im Rahmen des „Forums“ zu verschiedenen regionalhistorischen Themen. Literaturhinweise, Nachrichten, sowie die Berichte der Mitglieder- und Fachgruppen runden die wieder sehr gelungene Publikation ab.

      „Ein Kilo Ortenauer Geschichte“ titelte die „Mittelbadische Presse“ zum Erscheinen des Bandes am 25.10.2014. Mit gut 640 Seiten sei der Band allerdings nicht nur physisch schwergewichtig, sondern biete in gewohnt gewissenhafter und wissenschaftlicher Manier wieder einen wahren Fundus an regionalgeschichtlichen Informationen. Redakteur und Präsidiumsmitglied Martin Ruch ist besonders stolz auf zwei Beiträge elsässischer Autoren, die sich mit der Umwandlung des Straßburger Priesterseminars in ein Lazarett und die Beschlagnahmung der elsässischen Glocken im Jahre 1917 befassen.

      Nachdem der Schiltacher Historiker und Autor Hans Harter in den vergangenen Jahren regelmäßig mit spannenden Beiträgen aus dem oberen Kinzigtal zum jeweiligen Leitthema in der „Ortenau“ vertreten war, findet diese Tradition erfreulicherweise auch 2014 ihre Fortsetzung.
      Nach Auswertung der damaligen Lokalzeitung „Der Kinzigtäler“ hatte Harter bereits mit verschiedenen Artikeln in der örtlichen Presse auf den Beginn des Weltkrieges 1914 und seine Auswirkungen auf Schiltach und Lehengericht aufmerksam gemacht. In der „Ortenau“ folgt nun ein umfangreicher Aufsatz über „Kriegserfahrung und Kriegsverarbeitung in Schiltach 1914-1925“, der detailliert die Propaganda bei Kriegsbeginn, Situation und Gefühle der Bevölkerung, das Erleben der Versorgungsengpässe, der Umgang mit den zunehmenden Gefallenennachrichten von der Front, die Durchhalteparolen und schließlich die Kapitulation und die Heimkehr der Soldaten und Kriegsgefangenen. Unter dem Titel „O Deutschland, vergiss nie deine toten Helden“ ist nachzulesen, welchen Stellenwert dem „Tod fürs Vaterland“ in den Folgejahren zugemessen wurde, welche Erinnerungskultur daraus erwuchs und wie unterschiedlich versucht wurde, die Niederlage und den Verlust geliebter Menschen zu bewältigen.

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      Seit Jahren beschäftigt sich auch Helmut Horn mit Heimatgeschichte. Zu seinen Schwerpunkten zählen Siedlungs- und Sprachgeschichte, gewürzt mit neuesten Erkenntnissen aus Archäologie, Gewässernamenkunde (Hydronymie) und Genetik. Im freien Beitragsteil der neuen „Ortenau“ hat er sich wieder eines ganz besonders reizvollen und speziellen Themas angenommen, indem er den Begriff „Abnoba“ recherchiert. Bereits aus der Spätantike ist uns dieser leider nur noch einem Fachpublikum bekannte Name durch verschiedene Autoren überliefert. Bei den Geschichtsschreibern Plinius und Tacitus sind die Abnoba mons das Gebirge, aus dem die Donau entspringt, also unser heutiger Schwarzwald. Wer schon einmal die römische Fundstätte „Brandsteig“ besuchte (Gemarkung Schenkenzell/Aichhalden-Rötenberg), erinnert sich vielleicht an einen dort befindlichen Weihestein zu Ehren der Diana Abnoba. Damit wird dieses Thema für unsere Region höchst interessant und aktuell. Wurde das Gebirge nach der Göttin oder die Gottheit nach dem Gebirgszug benannt? Und was könnte das Wort bedeuten? Horn trägt in seinem Beitrag alte und neue Forschungserkenntnisse zusammen und betrachtet den Namen dazu sowohl aus linguistischem wie völkerkundlichem Blickwinkel.

      Allein schon diese beiden kurz angesprochenen Beiträge machen Lust auf Stöbern, Lesen und vielleicht auch eigenständigem Erkunden und Vertiefen. Eine ganze Reihe weiterer, thematisch unterschiedlicher, aber immer interessanter und gut recherchierter Beiträge in der „Ortenau“ (Oberharmersbach während des I. Weltkriegs, Funde aus dem Kinzigtal von der Steinzeit bis zur Römerzeit, Eine mutige Bäuerin während der NS-Zeit in Nordrach) laden zu Ausflügen in die Heimatgeschichte ein. Abschließend dokumentiert eine Rückschau auf die vielfältigen Aktivitäten unserer Mitgliedergruppe die Vereinsarbeit im vergangenen Jahr.

      „Die Ortenau“ 2014 kann über den Initiativkreis des Historischen Vereins zum Preis von EUR 28,00 erworben werden. Mitglieder erhalten den Jahresband kostenlos, denn der Bezug ist im jährlichen Vereinsbeitrag bereits inbegriffen. Bei Interesse können Sie hier mit den Mitgliedern des Initiativkreises in Kontakt treten.

      Schiltach, den 02. November 2014






      Konjugieren auf Schiltacherisch –
      Helmut Horn präsentierte sein amüsantes Lehrbuch
      zum Schiltacher Dialekt


      von Martina Baumgartner




      Der Schiltacher Mediziner und Hobby-Linguist Helmut Horn veröffentlichte ein gleichwohl fundiertes wie amüsantes Lehrbuch zum Schiltacher Dialekt. Es wurde am 24. Oktober 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt.

      „Nobed, Ihr Dame un’ Herre“, so begann Helmut Horn am Freitagabend mit der Vorstellung seines neuen Buches „Die Schiltacher Mundart“ im Saal des Rathauses am Marktplatz. Mit einem kleinen Festakt präsentierte die Stadt den Autor, der sein Werk als achten Band in der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach“ veröffentlichte. Damit ihn auch alle Gäste verstehen konnten, wechselte Horn bald ins Hochdeutsche.

      In fünf Kapiteln seines Buches beschreibt er die sprachliche Entwicklung in Schiltach, die Grammatik der hiesigen Mundart sowie Lektionen für Schiltacher und „Reingeschmeckte“, um sich im Ort sprachlich bei Begrüßungen, beim Einkauf oder beim Gebrauch feststehender Ausdrücke „durchschlagen“ zu können. Einen Teil mit erzählten Schiltacher Geschichten und einem Vokabelkapitel mit 2000 gesammelten Mundartwörtern des Schiltacherischen hängte er auch noch dran – in Lautschrift gedruckt. Viele Fotos alter Schiltacher Ortsansichten runden das Werk ab.

      Zirka 20 Jahre Mühe hat Horn, der auch äußerst aktives Mitglied in der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell des Historischen Vereins ist, in diese Fleißarbeit gesteckt und damit sein Umfeld und den Verleger Jakob Wolber aus Hausach zeitweise wohl fast zur Verzweiflung getrieben, wie er mit einem Augenzwinkern verriet. Eigentlich wollte Horn Literaturwissenschaft studieren, letztlich entschied er sich des besseren Auskommens wegen jedoch für die Medizin. Die Liebe zur Sprache, besonders zur heimatlichen Mundart, ist dem Schiltacher allerdings erhalten geblieben.

      In seiner Arztpraxis stellte er fest, dass Schiltacherisch zunehmend weniger gesprochen würde und so entschloss er sich Wörter, Ausdrücke und Geschichten zu „sammeln“ und aufzuschreiben. Er orientierte sich am Südwestdeutschen Sprachatlas der Universität Freiburg und an den Schiltacher „Dialekt-Fundgruben“ Christian Faißt, Helmut Schneider und Herbert Pfau sowie Fritz Laib. Eine Geschichte in Schiltacher Mundart von Christian Faißt gab Horn bei der Vorstellung seines Buches auch gleich selbst zum Besten. Deren amüsanter Inhalt und die humorvolle Vortragsweise gefiel dem Publikum gut. Besonders die Schwester des bereits verstorbenen Urhebers im Publikum, Else Haberer, die mit ihrem Bruder zusammen am Schlossberg aufwuchs, hatte ihre Freude daran.

      In der anschließenden Diskussion sorgten sich die Besucher um das Aussterben des Dialekts, den die Eltern ihren Kindern offensichtlich auch nicht mehr weitergeben können. „Wir haben Schiltacherisch auf der Gasse beim Spielen gelernt“ erinnerte sich Horn und bedauerte, dass die Kinder heutzutage kaum noch auf der Straße spielen. Auch Bürgermeister Thomas Haas spreche nicht viel vom weichen und vokalreichen Schiltacher Dialekt mit seinen 20 Doppellauten, erklärte dieser, und seine Kinder dementsprechend auch kaum. Das Publikum schlug zum Erhalt der Sprache die Gründung eines Vereins zur Sprachpflege oder Fortbildungen über die Volkshochschule vor. Einen großen Beitrag zum Spracherhalt leiste Horns Buch, war das Fazit des Bürgermeisters.


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      Helmut Horn (Zweiter von rechts) stellte sein Buch über den Schiltacher Dialekt im Rathaussaal vor. Zusammen mit ihm freuten sich Bürgermeister Thomas Haas (von rechts), seine Frau Iris Horn sowie Verleger Jakob Wolber über die gelungene Veröffentlichung.



      Helmut Horn: „Die Schiltacher Mundart“. Band 8 aus der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach“, 147 Seiten. ISBN 978-3-00-046386-0. Bei der Stadt Schiltach sowie im Buchhandel erhältlich.

      Schiltach, den 29.10.2014






      Informationen rund um den Maler Eduard Trautwein (1893-1978)

      Der in Schiltach geborene und später in Wolfach lebende Maler Eduard Trautwein geriet unlängst in die Schlagzeilen.

      Aufgrund seiner NS-Vergangenheit beschäftigte sich der Wolfacher Historiker Frank Schrader mit der Frage, ob die nach Trautwein benannte Straße nicht einen neuen Namen erhalten sollte. Selbst dem SWR-Fernsehen war diese Diskussion im vergangenen Jahr einige Sendeminuten wert. Nachdem die Stadt Wolfach in dieser Angelegenheit keinen Handlungsbedarf sah, ist es um die Sache inzwischen wieder ruhig geworden.

      Seit kurzem ist auf Wikipedia ein interessanter und ausgewogener Eintrag eingestellt, sodass sich jeder Interessierte mit Trautweins Lebensdaten, seinem Werdegang sowie wissenswerten Details vertraut machen kann. Auch einige Kostproben seines Schaffens an öffentlichen Gebäuden in Wolfach und Schiltach werden präsentiert.

      Zu dieser lesenswerten Zusammenfassung über Eduard Trautwein gelangen Sie
      hier.


      Schiltach, den 17. Juni 2014


      Mitgliederbeschluss wird umgesetzt:
      Namenserweiterung bezieht jetzt auch Schenkenzell mit ein


      Von Reinhard Mahn


      Als zukunftsweisende Entscheidung will der Initiativkreis des Historischen Vereins den Beschluss verstanden wissen, der örtlichen Mitgliedergruppe ab 01. April 2014 offiziell den erweiterten Namen „Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell“ zu geben. Dies betonen die Verantwortlichen in einer aktuellen Pressemitteilung vom 14. März 2014.


      Als sich vor etwas mehr als 95 Jahren über 50 Geschichtsfreunde aus dem oberen Kinzigtal im Schiltacher Gasthof „Rössle“ zusammenfanden um eine örtliche Sektion des neun Jahre zuvor aus der Taufe gehobenen „Historischen Vereins für Mittelbaden“ zu gründen, waren darunter auch schon drei Bürger aus den Nachbargemeinden Schenkenzell, Bergzell und Kaltbrunn. Die treibende Kraft, der reichen Geschichte der Region in der Öffentlichkeit mehr Gewicht zu verleihen, war der damalige evangelische Stadtpfarrer Max Mayer, angespornt von Prof. Ernst Batzer aus Offenburg. Für den Vorstand des neuen Vereins war es ganz selbstverständlich, allen fünf östlichen Gemeinden des seinerzeitigen Landkreises Wolfach, nämlich Schiltach, Lehengericht, Schenkenzell, Bergzell und Kaltbrunn seine Arbeit zu widmen. Ein gutes Beispiel für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit gab Gründungsmitglied Otto Beil, ehemals Hauptlehrer in Wittichen, der sich schon zu Beginn der 1920er Jahre an die Vermessung, Kartierung und Beschreibung der Reste hochmittelalterlicher Burganlagen machte. Auch Gewerbelehrer Hermann Fautz, bis heute einer der bedeutendsten Heimatforscher des oberen Kinzigtals, befasste sich in vielen Beiträgen mit Themen Schenkenzeller und Kaltbrunner Geschichte. Diese Tradition wurde vor Jahren von Historiker Dr. Hans Harter wieder aufgenommen und wird mit viel Einsatz von Willy Schoch, einem profunden Kenner der Schenkenzeller Ortshistorie erfolgreich fortgesetzt.

      Daher war es schon 2011 eine folgerichtige Entscheidung der Vereinsleitung, Willy Schoch als Vertreter für Schenkenzell/Kaltbrunn in den Initiativkreis des Historischen Vereins Schiltach einzubinden. Das auch in der Nachbargemeinde ständig wachsende Interesse an geschichtlichen Themen, außerordentlich gut besuchte Vortragsabende sowie die positive Entwicklung bei den Mitgliederzahlen war ausschlaggebend, die Namenserweiterung im Rahmen der Mitgliederversammlung im Januar zur Diskussion zu stellen. Gleichzeitig soll der Historische Verein damit gerade auch in Schenkenzell verankert und eine gemeinsame Identität gefördert werden.

      So schlossen sich die Mitglieder mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Initiativkreises an, den Bereich Schenkenzell nun auch bei der Vereinsbezeichnung ins Blickfeld zu rücken. Dabei konnte auch das neue Logo der Mitgliedergruppe präsentiert werden, das neben dem Doppeladler als Symbol für den übergeordneten „Historischen Verein für Mittelbaden“ auch die beiden Gemeindewappen von Schiltach und Schenkenzell zeigt. Die bewusst ins Logo integrierte Web-Adresse weist zudem darauf hin, dass das Internet eine tragende Säule der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Mitgliedergruppe darstellt, die auch künftig ständig ausgebaut werden soll:


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      Der Initiativkreis dankt den Bürgermeistern und Gemeinderäten für deren Unterstützung, ohne die das Logo des Vereins in der vorliegenden Form nicht hätte realisiert werden können.

      Der Initiativkreis der Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell hat sich auch für die Zukunft einiges vorgenommen. Vorträge und Veranstaltungen werden weiterhin je nach Thema wahlweise in Schenkenzell oder Schiltach angeboten. Bereits am 10. April lädt der Verein zu einem Vortragsabend ins Schenkenzeller „Haus des Gastes“ ein. Willy Schoch, der mit drei Mitarbeitern eineinhalb Jahre lang Kleindenkmale und Grenzsteine in Schenkenzell und Kaltbrunn erfasste, wird dabei die Ergebnisse seiner umfangreichen Arbeit vorstellen. Am 28. Mai wird dann in Schiltach ein Vortrag der örtlichen Erfasser zur Kleindenkmalerhebung in Schiltach und Lehengericht folgen. Das vorläufige Jahresprogramm sieht zwei weitere Vorträge sowie Ende September ein Ausstellungsbesuch im Stuttgarter „Haus der Geschichte“ vor.

      Schiltach/Schenkenzell, den 14. März 2014


      Nähere Informationen zu den Vorhaben in diesem Jahr finden Sie unter „
      Termine.






      Video-Collage zur Ausstellung „Flößerei im Bilde der Kunst“, die im Jahre 2013 im Museum am Markt gezeigt wurde.


      Der 24-minütige Beitrag von Diet Rahlfs und Hans Harter gibt einen umfassenden Überblick zu den ausgestellten Werken, die nach Ende der Ausstellung wieder an ihre Eigentümer zurückgegeben wurden.





      Rückblick auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten
      vor 80 Jahren in Schiltach und Lehengericht



      Im Jahre 2013 jährte sich die „Machtergreifung“ durch die NSDAP – und damit die Abschaffung der noch jungen Demokratie, der ersten auf deutschem Boden.

      Für den Historischen Verein war dies ein Grund, die Situation im Jahre 1933 in Schiltach und Lehengericht etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Begünstigt durch verschiedene Faktoren, u. a. die leidlich funktionierende Weimarer Demokratie, die Belastungen aufgrund des Versailler Vertrages sowie die – bereits wieder abklingende – Weltwirtschaftskrise fiel das nationalsozialistische Gedankengut auch in Schiltach und Lehengericht auf fruchtbaren Boden.
      Dazu haben Dr. Hans Harter und Dr. Helmut Horn anhand von Bekanntmachungen und Annoncen im „Nachrichtenblatt der Gemeinden Schiltach und Lehengericht“ sowie der Wolfacher Tageszeitung „Der Kinzigtäler“ den Ereignissen jenes Jahres und der sich rasch entwickelnden Diktatur nachgespürt. Auch Aussagen verschiedener Zeitzeugen und Akten des Schiltacher Stadtarchivs flossen in ihre Forschungsergebnisse ein.
      Daraus resultierten das Jahr über verschiedene Veröffentlichungen in der Lokalpresse, die schlaglichtartig die Begebenheiten vor 80 Jahren in Erinnerung riefen. Eine großangelegte, über fast drei Monate laufende Serie zum Jahr 1933 in einer Tageszeitung sowie ein Vortragsabend vor vollem Haus brachten viel Neues aber auch Verdrängtes ans Licht. Dabei wurde deutlich, wie – aus heutiger Sicht – erschreckend problem- und widerstandslos der Nationalsozialismus in unseren Gemeinden seinen Einzug hielt.
      Um die Entwicklung, die zur Diktatur und zum braunen Terror führte, auf örtlicher Ebene besser nachvollziehen und verstehen zu können haben wir Ihnen hier nachfolgend einige aufschlussreiche Informationsquellen zusammengestellt, die Beachtung verdienen. Und damit möchten wir dieses Thema für den Moment auch abschließen. Unser Dank gilt den Autoren Dr. Harter, Dr. Horn und Dr. Morgenstern.


      Hans Harter: „
      1933 – Auch Schiltach wird nationalsozialistisch“ (Kleinere Beiträge)

      Andreas Morgenstern:
      „Der 1. Mai 1933 in Schiltach“ (Kleinere Beiträge)

      Hans Harter/Helmut Horn: 1933 – Auch Schiltach wird nationalsozialistisch
      (Audio-Mitschnitt des Vortrages vom 28.11.2013)

      Helmut Horn: Schiltach 1933 – Textauszüge und Faksimiles chronologisch aus dem „Nachrichtenblatt Schiltach und Lehengericht“ (Aufsätze)

      Helmut Horn: Das Jahr 1933 in Schiltach und Lehengericht – auf Basis der Berichterstattung im „Nachrichtenblatt“ und im „Kinzigtäler“ (Aufsätze)



      Reinhard Mahn, 21. Februar 2014



      Zusammenfassung
      „Mitgliederversammlung 2014“


      am Freitag, den 10. Januar 2014 im „Treffpunkt“ in Schiltach


      von Reinhard Mahn


      Zum jährlichen Informationsabend konnte der Historische Verein Schiltach im „Treffpunkt“ viele Mitglieder und Gäste willkommen heißen. Dem Rückblick auf ein ereignisreiches Vereinsjahr und einer Vorschau auf die für 2014 geplanten Aktivitäten folgte ein von Dr. Hans Harter moderierter Ausflug in die Schiltacher Geschichte, wobei eine kleine Zeitzeugenrunde erstaunliche Details und viel Wissenswertes zu berichten wusste.

      In Vertretung von Sprecher Peter Rottenburger begrüßte Michael Buzzi als Mitglied des Initiativkreises des Historischen Vereins die zahlreich erschienenen Zuhörer (namentlich: Ortsvorsteher Thomas Kipp, Pfarrer Dr. Christoph Glimpel, Pfarrer Bernd Müller, Prof. Rolf Pfefferle und Martina Baumgartner vom „OT“) und führte souverän durch die einzelnen Programmpunkte. Bei der Totenehrung gedachte er der beiden engagierten Vereinsmitglieder Paul Armbruster und Ernst Pfau, die 2013 verstorben waren.

      In seinem Jahresrückblick rief Schriftführer Reinhard Mahn die Veranstaltungen und Ereignisse des zurückliegenden Jahres in Erinnerung. Der Mitgliederversammlung folgten zwei Museumsfahrten nach Stuttgart zur äußerst erfolgreichen Ausstellung „Die Welt der Kelten“ sowie zur Sonderschau „Widerstand und Volksgemeinschaft 1933 bis 1945“ im „Haus der Geschichte“. Nach der Lesung „Der Schwarzwald und seine Dichter“ im Frühjahr schloss sich den Sommer über im Schiltacher „Museum am Markt“ die Ausstellung „Die Flößerei im Bilde der Kunst“ an. In der Vereinszeitschrift „Die Ortenau“ waren Schiltacher Autoren mit mehreren Artikeln gut vertreten. Im Spätherbst wurde dann nochmals das Thema „1933“ aufgegriffen. Die Schiltacher Referenten Dr. Hans Harter und Dr. Helmut Horn werteten Berichterstattung und Vereinsmitteilungen jenes Jahres aus und ermöglichten so dem Publikum, sich selbst ein Bild vom Einzug des Nationalsozialismus in Schiltach und Lehengericht zu machen. Parallel dazu erschienen aufschlussreiche Berichte in der Lokalpresse. Auch die zwischenzeitlich abgeschlossene Aufnahme der Kleindenkmale in Schiltach und Schenkenzell erforderte viel Einsatz der ehrenamtlichen Helfer.

      Michael Buzzi stellte anschließend die Planungen für das laufende Jahr vor. Die Dokumentation der Kleindenkmale und Grenzsteine in unserer Region brachte manche verborgenen Schätze zutage, die in Vorträgen in Schenkenzell (April) und Schiltach (Mai) von den Erfassern vorgestellt werden. Eine Lesung und Podiumsdiskussion zu Johann Peter Hebel mit Wolfgang Tuffentsammer und Günter Bentele folgt im Rahmen der Schiltacher Kulturwoche im Juli und für September ist ein weiterer Ausstellungsbesuch in Stuttgart vorgesehen. Anlass für die dortige Sonderschau „Fastnacht der Hölle – der I. Weltkrieg und die Sinne“ ist der Kriegsbeginn vor einhundert Jahren. Ende Oktober folgt als besonderes Schmankerl ein weiterer Vortrag mit Prof. Konrad Kunze, der sich in seiner unvergleichlichen Art mit unserer heimischen Mundart sowie deren Geschichte, Verbreitung und den Grenzen des alemannisch-schwäbischen Dialektgebiets befassen wird. Damit ist der Rahmen für die Vorhaben dieses Jahres weitgehend abgesteckt.

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      Schon seit Monaten befasst sich der Initiativkreis mit einer möglichen Namenserweiterung für die Schiltacher Mitgliedergruppe. Da Schenkenzell zum einen bei allen Aktivitäten des Historischen Vereins schon immer eine gewichtige Rolle spielte und sich dies zum andern auch in stetig steigenden Mitgliederzahlen bemerkbar macht, stellte Michael Buzzi im Namen des Initiativkreises das Vorhaben zur Diskussion. Bei einer Abstimmung per Handzeichen stimmte die große Mehrheit der anwesenden Mitglieder für die künftige Bezeichnung „Mitgliedergruppe Schiltach/Schenkenzell“. Der offizielle Start und die Vorstellung des neuen Logos werden in naher Zukunft im Rahmen eines Pressetermins erfolgen.
      An diesen Punkt schloss sich eine kurze Information über Besonderheiten des künftigen SEPA-Lastschriftverfahrens an. Fragen und Anträge von Seiten der Mitglieder gab es nicht, sodass der „geschäftliche“ Teil der Versammlung damit beendet war.

      Nach einer kurzen Pause folgte eine von Dr. Hans Harter moderierte Zeitzeugenrunde zum Thema „Franzosenkinder in Schiltach 1944/45“. Näheres dazu erfahren Sie
      hier oder in der Rubrik „Themen“.




      Dokumentation der Kleindenkmale abgeschlossen
      Für Schenkenzell Arbeit von bleibendem Wert geleistet

      Von Lothar Herzog



      Vier Schenkenzeller waren 18 Monate lang ehrenamtlich mit Rucksack, Drahtbürste, Foto, Meterstab und Notizblock im Gemeindegebiet unterwegs.
      Dabei haben sie 121 Kleindenkmale erfasst und 481 Landesgrenzsteine aufgespürt. Die Dokumentation ist jetzt abgeschlossen und Texte und Fotos digitalisiert in acht Ordnern gesammelt.
      Als Willy Schoch mit seinen Helfern Werner Sum, Hermann Kaufmann und Bernd Wöhrle im Frühjahr 2012 mit dieser vom Landesamt für Denkmalpflege angestoßenen Projektarbeit begannen, merkten sie bald, dass dies eine doch sehr zeitaufwändige Geschichte werden sollte, von der am Ende nun alle begeistert sind.

      „Es ist eine Arbeit für Schenkenzell und Kaltbrunn von bleibendem Wert. All die gesichteten Kleindenkmale und Grenzsteine informieren über ein Geschehen vor langer Zeit, die nicht selten Fragen offen lassen. Und all diese Zeitzeugen der Vergangenheit haben eines gemeinsam: Sie sind schützens- und erhaltenswert. Zumindest aber sollte ihre Existenz festgehalten werden“, resümiert Willy Schoch.

      Wie der Hobbyhistoriker und frühere Hauptamtsleiter der Gemeinde Schenkenzell verrät, habe das Dokumentieren von Kleindenkmälern etwas mit Entdeckergeist zu tun gehabt, und dies in der eigenen Gemeinde, in der eigenen Umgebung. Mit der Erfassung seien Kleindenkmäler und Grenzsteine bei der Bevölkerung, die sich sehr aufgeschlossen gezeigt und die Arbeit unterstützt hätte, wieder in Erinnerung gerufen worden. Die Bandbreite der Kleindenkmale war sehr groß und differenziert. In einer katholischen Landgemeinde wie Schenkenzell und Kaltbrunn waren Bildstöcke und Kreuze, Grabsteine, Kapellen und Gedenkstätten in der Überzahl. Auch der in Wittichen im 18. Jahrhundert florierende Bergbau hat einige interessante Erinnerungen hinterlassen. Weitere Kleindenkmale stehen im Zusammenhang mit der Flößerei, Landwirtschaft, Wasserkraft und Verkehr.

      Die öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung sei der beste Schutz für die all die unwiederbringlichen Zeugnisse der Geschichte, hebt Schoch hervor. Landesgrenzsteine seien begehrte Sammelobjekte, hier und da habe einer gefehlt. Auch ein Bildstock in der „Lay“ sei jahrelang verschwunden gewesen, nach Schapbach entführt und schließlich vom reuigen „Dieb“ wieder zurückgebracht worden, schildert der Projektleiter.

      In den letzten Monaten ihrer Projektarbeit war das Quartett auf der Suche nach den historischen Landesgrenzsteinen von der Willenburg über das Zollhaus, den Fräulinsberg bis zur Teufelsküche unterwegs, von dort über die Kinzig hinauf über Reilinsberg, Rinkenbach zum Bettelmännle, hinunter zur Reinerzau, wieder hoch über Emle, Roßberg bis hin zum Schmiedsberger Platz.
      Dabei haben sie 481 Grenzsteine gezählt, wovon 439 noch gut erhalten sind. Darunter befänden sich absolute Raritäten mit Wappen von Fürstenberg, Baden, Württemberg und dem Kloster Alpirsbach, wie Schoch begeisternd erzählt. Während der älteste Stein aus dem Jahre 1558 auf dem „Zollhaus“ an der Gemarkungsgrenze zu Aichhalden entdeckt wurde, thront der größte Grenzstein mit 1,20 Meter auf dem „Bettelmännle“.

      Im frühen Mittelalter genügten noch Waldränder, Wasserläufe und Verbindungslinien wichtiger Geländepunkte wie Berggipfel und Felsen als Grenzmarkierungen zwischen verschiedenen Besitztümern. Etwas genauer wurden Grenzlinien durch markante Bäume nachgewiesen. Im 15. Jahrhundert begannen reiche Grundherren, Kirchen und Klöster ihren Besitz sprichwörtlich in Stein zu meißeln. Der Grenz- oder Lochenstein bedeutete zu damaliger Zeit ein Novum.
      Im Bereich „Brandsteig“ zwischen Rötenberg und Schenkenzell ist auf einem Grenzstein der Abtsstab des Klosters Alpirsbach zu sehen. Im 17. und 18. Jahrhundert kam es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten. Im Generallandesarchiv in Karlsruhe befinden sich heute noch Verträge zwischen dem Stab Schenkenzell, dem Stab Kaltbrunn, Kloster Alpirsbach und den dazugehörenden Stäben von Rötenbach und Reinerzau über die Forst- und Jurisdiktionsgrenze zwischen Württemberg und dem Adelshaus Fürstenberg. Es dürfte kaum eine Grenzlinie geben, die so markant und unübersehbar durch hohe Steinquader die einstigen staatlichen Bereiche zwischen Baden und Württemberg abgrenzt wie auf Schenkenzeller und Kaltbrunner Gemarkung.

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      Die Erfassung der Kleindenkmale wurde in ganz Baden-Württemberg durch ehrenamtliche Kräfte umgesetzt. Die fachliche Begleitung erfolgte durch das Denkmalamt, die Organisation im Kreis Rottweil oblag dem Fachbereich Archiv, Kultur, Tourismus im Landratsamt Rottweil. Nach der Auswertung der Unterlagen soll eine schriftliche Dokumentation in Buchform entstehen.

      Über die Kleindenkmale von Schenkenzell und Kaltbrunn wird Willy Schoch am 10. April 2014 im „Haus des Gastes“ in Schenkenzell einen Vortrag halten. Nähere Infos finden Sie in der Rubrik > TERMINE.

      Dieser Artikel erschien erstmals am 14. Dezember 2013 im „Schwarzwälder Bote“.


      Erfassung der Kleindenkmale im Landkreis Rottweil 2012/2013

      In diese Aufgabe sind Mitglieder des Initiativkreises des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. in besonderem Maße eingebunden.
      Verschiedene Berichte über die bisherige Tätigkeit finden sich
      hier zum Nachlesen.



      Die Vereinszeitschrift „Die Ortenau 2013“ ist da!
      Hans Harter und Helmut Horn sind mit drei Aufsätzen vertreten

      Von Reinhard Mahn


      Vor zwei Wochen, und damit rechtzeitig vor der dieses Jahr in Hornberg veranstalteten Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. wurden unserer Mitgliedergruppe die druckfrischen, freundlich-roten Jahrbücher 2013 zugestellt und zügig an alle Vereinsmitglieder in Schiltach, Schenkenzell und St. Roman verteilt. Das Schwerpunktthema des vorliegenden 93. Jahresbandes lautet „Literatur und Sprache am Oberrhein: Geschichte und Gegenwart“. Zu diesem Themenkomplex hat die Schriftleitung 16 Beiträge mit einem Umfang von 280 Seiten in das Jahrbuch aufgenommen. Auf weiteren gut 300 Seiten folgen 14 freie Beiträge zu unterschiedlichsten regionalhistorischen Themen, denen sich ein Forum, Rezensionen heimatgeschichtlicher Literatur, Berichte der Fach- und Mitgliedergruppen sowie Mitteilungen und Hinweise der Vereinsführung anschließen.

      Der 590seitige Band bestätigt eindrucksvoll, dass die Verfasser der einzelnen Beiträge wieder gute, gewissenhafte und wissenschaftlich fundierte Arbeit geleistet haben, die dann Redakteur und Vorstandsmitglied Martin Ruch gewohnt professionell zu einer optisch ansprechenden und übersichtlich gegliederten Veröffentlichung zusammengestellt hat.

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      Nachdem im vergangenen Jahr der Schiltacher Historiker und Autor Hans Harter zum Leitthema „Criminalia. Zur Geschichte der Justitia in Mittelbaden“ seine Forschungsergebnisse zu einem in den Jahren 1773 und 1774 in Schiltach abgehaltenen aufsehenerregenden Prozess gegen die Anführer einer Bettel-, Räuber- und Diebesbande darlegte, darf sich der heimatgeschichtlich interessierte Leser in diesem Jahr sogar auf drei sachkundige und wissenswerte Beiträge aus dem oberen Kinzigtal freuen.

      Im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart fand sich die Notiz eines anonymen Autors von 1781, dass Bürger in Schiltach, „einem kleinen wirtembergischen Städtchen auf dem Schwarzwald“ schon bald nach dem 30jährigen Krieg „ein Schauspiel aufgeführt hätten, was sie zu ihren Privilegien oder wenigstens zu ihren alten ehrbaren Gewohnheiten zählen“ würden. Diese Bemerkung weist auf eine gewisse Tradition hin, was Hans Harter veranlasste, sich näher mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei förderte er Erstaunliches zutage. Harter fand Belege, dass im 17. Jahrhundert zumindest eine Reihe biblischer Volksschauspiele in Schiltach mit Laiendarstellern aus der Bürgerschaft aufgeführt wurden. Im Mittelpunkt seines Beitrages steht die Aufführung des Stückes „Ahasveros und seine beiden Königinnen Vasdi und Esther“ von 1654, ergänzt um Einblicke in die konfessionspolitische Situation in und um Schiltach.

      In einem zweiten Beitrag befasst sich Harter mit einem Brief des Schiltacher Schiffers Adolf Christoph Trautwein an seinen Sohn Wilhelm von 1871. Von besonderem Interesse sind heute dabei die Einstellung des Schreibers zur Arbeiterbewegung, sein wirtschaftliches Denken und Handeln, die Beschreibung der Probleme des Kinzigtäler Holzhandels, die Verdienstchancen der Flößer in Siebenbürgen und die Lage des örtlichen Handwerks am Beispiel der Gerber.

      In einem „freien“ Beitrag beschäftigt sich Helmut Horn, der ebenfalls schon durch mehrere Veröffentlichungen in der „Ortenau“ als Heimatforscher in Erscheinung trat, mit dem 1788 geborenen, aus Schiltach stammenden Jakob Bernhard Trautwein, der als Chemiker seinerzeit zu Berühmtheit gelangte.
      Seine wissenschaftlichen Arbeiten genossen europaweiten Ruf. Als Beispiel für viele seien seine Untersuchungen zur damals in der Medizin „in Mode gekommenen“ Blausäure genannt, wo deutlich wird, dass er dem vor allem bei Lungenleiden eingesetzten chemischen Arzneimittel mehr als skeptisch gegenüberstand. Trautwein war nicht nur ein leidenschaftlicher Forscher, er trat auch nachdrücklich für die Belange der Apotheker ein und führte in Nürnberg die „Apotheke zum Heiligen Geist“, die bereits 1498 gegründet, als älteste Apotheke Nürnbergs galt und noch heute besteht.

      Diese drei nur kurz angesprochenen sowie eine ganze Reihe weiterer, ganz unterschiedlicher, aber immer interessanter und gut recherchierter Beiträge in der „Ortenau“ 2013 machen Lust auf Stöbern, Lesen, Entdecken und vielleicht auch Weiterforschen. Eine Rückschau auf die Aktivitäten der Mitgliedergruppe Schiltach im Jahr 2012 rundet diesen gelungenen Jahresband ab.

      „Die Ortenau“ 2013 kann über den Initiativkreis des Historischen Vereins zum Preis von EUR 26,00 erworben werden. Mitglieder erhalten den Jahresband kostenlos, denn der Bezug ist im jährlichen Vereinsbeitrag bereits enthalten. Bei Interesse können Sie
      hier mit den Mitgliedern des Initiativkreises in Kontakt treten.








      Neu: Online-Zugriff auf Beiträge in der „Ortenau“
      Von Reinhard Mahn


      Die jährlich im Herbst erscheinende Vereinszeitschrift „Die Ortenau“ ist für viele Heimatfreunde über die Jahre zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk und einem zuverlässigen Begleiter bei Fragen zur lokalen und regionalen Geschichte geworden. Die Themen der wissenschaftlich fundierten Beiträge sind dabei breit gefächert, umfassen Beiträge zu Archäologie, Geologie, Besiedelung, Burgen und Architektur, Flurnamen, Wirtschaft, Gewerbe und Industrie, Kultur, Kunst und Gesellschaft, politischen Ereignissen sowie die Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes.

      Bei der kürzlich in Kehl-Kork stattgefundenen Frühjahrstagung des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. wurden die Vertreter der Mitgliedsgruppen über die zwischenzeitlich abgeschlossene Digitalisierung sämtlicher „Ortenau“-Bände bis einschließlich 2007 informiert. In den kommenden Jahren soll jeweils ein weiterer Jahrgang den Nutzern digitalisiert zur Verfügung gestellt werden.

      Diese wahre Fleißarbeit mit einer Erfassung von mehreren zehntausend Seiten wurde der Universität Freiburg übertragen, die diese Aufgabe gut und solide erfüllt hat. Beginnend mit dem ersten Band der Jahre 1910/1911 stehen nun sowohl Wissenschaftlern, Heimatforschern und interessierten Laien die ganze Palette von Veröffentlichungen über einen Zeitraum von gut 100 Jahren zum Schmökern, Lesen, gezielten Suchen und Forschen zur Verfügung, ohne dass ein Besitz der einzelnen Bände erforderlich ist. Das „Online-Archiv“ erreichen Sie
      HIER.

      Nach Anklicken der Jahreszahl des Erscheinens können über das Inhaltsverzeichnis des jeweiligen Bandes die Beiträge angewählt werden. Ab Jahrgang 1949 ff. steht zusätzlich eine Stichwortsuche zur Verfügung, womit gewünschte Suchbegriffe wie Namen, Klöster, Burgen, Adelsgeschlechter, Herrschaften, Orte, Flüsse und vieles mehr in textlichem Zusammenhang leicht aufgefunden werden können.

      Der Initiativkreis wünscht beim Suchen und „Fündigwerden“ viel Erfolg!

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      Historischer Verein besuchte Ausstellung „Anständig gehandelt“
      Von Reinhard Mahn


      Eine Exkursion nach Stuttgart unternahmen am 01. März 2013 Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins. Während einer gut zweistündigen Führung erläuterte Andreas Morgenstern fachkundig das Zustandekommen und Anliegen der Ausstellung „Anständig gehandelt - Volksgemeinschaft und Widerstand 1933-1945“. Die Ausstellung zeigt am Beispiel konkreter Aktionen, wie sich einzelne und Gruppen im Kleinen und Großen gegen den Nationalsozialismus zur Wehr setzten. Der heutige Leiter der städtischen Museen und des Archivs, der vor seiner Tätigkeit in Schiltach im „Haus der Geschichte Baden-Württemberg“ am Zustandekommen dieser Ausstellung selbst beteiligt war, erklärte den Exkursionsteilnehmern, dass die Ausstellung exemplarisch 39 Beispiele des Widerstands dokumentiere. Sodann griff er einzelne Fälle heraus, die er näher erläuterte, wie den Generalstreik von Arbeitern aus Mössingen, der unmittelbar auf die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler folgte sowie den geheimen Radiosender des Stuttgarter Rundfunkpioniers Rudolf Formis, der von Prag aus über das Regime zu informieren suchte. Ebenso berichtete er vom Attentatsversuch des schwäbischen Tüftlers Georg Elser, der im Münchener Bürgerbräukeller eine Bombe zündete und präsentierte die Werkbank, an der Elser experimentierte. Eine nähere Betrachtung verdiente auch der aus Freiburg stammende Marineoffizier und Publizist Helmuth Klotz, ein früher Weggenosse Adolf Hitlers, der sich schon Ende der 1920er Jahre von der Bewegung abwandte und 1937 aus dem Pariser Exil das Buch „Der neue deutsche Krieg“ veröffentlichte, das bereits eindringlich vor den Kriegsvorbereitungen Nazideutschlands warnte. Die geschichtsträchtigen Ausstellungsstücke waren vor großen Fotowänden platziert, die eine bedrückende Vielzahl von Einzelaufnahmen aus den Jahren 1933-1945 wiedergaben und die Vereinnahmung des öffentlichen wie privaten Lebens dieser Zeit durch das NS-Regime deutlich vor Augen führten. Die Ausstellung ist noch bis 31. März 2013 zu sehen.
      Ausführlicher Bericht siehe
      Themen - Exkursionen.

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      Ist Udo Lindenberg ein Schwarzwälder?
      Literaturabend über den Schwarzwald und seine Dichter


      Von Martina Baumgartner

      Wenn die Literatur von Zwergen, die an Baumwurzeln hausen, mystischen Luftspiegelungen, geheimnisvollen Begegnungen mit rauchenden Kraftgestalten, sprechender Stille und unglaublichen Vorkommnissen erzählt, hat der Leser es nicht unbedingt mit Science Fiction oder Computerspielen zu tun. Hier ist die Rede vom Schwarzwald und der inspirierte schon so manchen Dichter.
      In einer Gemeinschaftsveranstaltung der Mitgliedergruppe Schiltach des Historischen Vereins und der VHS wussten der Schiltacher Stadtführer Wolfgang Tuffentsammer und der aus Bietigheim stammende baden-württembergische Regionalhistoriker und Buchautor Günther Bentele das Publikum für diese Thematik mit einem kurzweiligen und spannenden Vortrag zu begeistern.
      Nach der Begrüßung durch den Sprecher des Vereins Peter Rottenburger stellten die Redner abwechselnd acht Autoren vor, die persönlich und dichterisch eng mit dem Schwarzwald verbunden sind. Doch falsch gedacht, wer trockene Literatur erwartete. So mancher Text entlockte den Besuchern im Schlossbergsaal des Gottlob-Freithaler-Hauses ein lautes Lachen und Tuffentsammer und Bentele waren mit ihrer originellen Art der Darstellung und der Auswahl der Zitate und Anekdoten nicht ganz unschuldig daran.
      So wussten sie vom amerikanischen Autor Mark Twain, dass der Reichtum des Schwarzwälders am Umfang des Misthaufens vor der Haustür zu berechnen sei und vom Gemeinderat in Ottenhöfen, der ab acht Uhr morgens am Stammtisch in einer Gaststätte tagen musste, um die anfallenden Amtsgeschäfte feuchtfröhlich zu erledigen. Der passionierte Angler Ernest Hemingway empfahl das Schwarzfischen im Schwarzwald, weil man wenigstens zwei Wochen benötige, um die erforderlichen drei Genehmigungen zu erhalten, damit man endlich mal einen Fisch aus dem Fluss ziehen kann. Der Haslacher Heimatdichter Heinrich Hansjakob schrieb über die einmaligen Schwarzwälder Originale in der Region. Besonders hatte es ihm ein Förster angetan, der Fürst vom Teufelsstein genannt wurde. Der einsame Waldmann baute erfolgreich Tabak im engen Heubachtal an. Leider war der nicht genießbar, doch der Teufelssteiner schmauchte auch dieses Kraut.

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      In Wiesentäler Mundart dichtete Johann Peter Hebel seine Alemannischen Verse. Zu seinen Bewunderern gehörten Tolstoj und Goethe, letzterer versuchte selbst einmal in Dialekt zu reimen und scheiterte kläglich. Der Sänger Udo Lindenberg fühlt einen Seelenverwandten schreiben, wenn er die Texte des in Calw geborenen Hermann Hesse liest und für den weitgereisten Hesse selbst war seine Heimat der schönste Ort. Das Schicksal des Autors Christoffel v. Grimmelshausen, der als Soldat des 30-jährigen Krieges ein schreckliches Leben führte, im Schwarzwald seine wahren Wurzeln fand und endlich seinen berühmten Simplicissimus schrieb, berührte. Nachdenklich stimmte ebenso das Leben eines jüdischen Schriftstellerkollegen, des Berthold Auerbach aus Horb, der so gern ein Deutscher sein wollte, besonders vor dem Hintergrund, dass nur Jahrzehnte später jeder Jude die Deutschen fürchten musste. Natürlich durfte das Märchen vom Kalten Herzen von Wilhelm Hauff nicht fehlen.
      Nach dieser geballten Ladung Literatur hatte das Publikum noch nicht genug und forderte eine Zugabe. Günther Bentele las aus Eduard Mörike ‚Die Geister vom Mummelsee‘ und schloss den Vortrag mit einem Augenzwinkern: „Gell, auch die Schwaben können‘s.“

      23. Februar 2013 / Fotos: Martina Baumgartner


      PS: Einen weiteren Bericht über den Vortragsabend finden Sie in der Rubrik „Themen“


      Historische Vereine Hausach und Schiltach besuchten die „Welt der Kelten“


      Am Sonntag, den 27.01.2013 luden die Mitgliedergruppen Hausach und Schiltach zu einem ganztägigen Besuch der großen Keltenschauen in Stuttgart ein. Über 35 Mitglieder der beiden Vereine machten sich mit der Bahn auf die Reise in die Landeshauptstadt. Die groß angelegte Ausstellung, die seit September 2012 bereits über 150.000 Besucher zählte, ist in zwei Themenbereiche gegliedert. Im „Alten Schloss“ liegt der Schwerpunkt auf der keltischen Kunst, im „Kunstgebäude“ wird der Besucher mit der Entwicklung der keltischen Zivilisation vertraut gemacht.

      Bedingt durch den großen Besucherandrang kam es vor den Eingängen zu kurzen Wartezeiten, was unsere Besuchergruppe gerne in Kauf nahm. „Zentren der Macht“ ist der Titel der Ausstellung im Kunstgebäude und entführt den Besucher in die Lebenswelt der Kelten, beginnend mit der frühen Eisenzeit (7. Jh. v. Chr.) bis etwa zur Zeitenwende. Hier werden die Beziehungen der Kelten zu Völkern des Mittelmeerraums sowie Religion und Kult beleuchtet. Wie sah sich dieses rätselhafte Volk selbst und wie wurden die Kelten von der Archäologie entdeckt sind weitere spannende Aspekte. Im Mittelpunkt allerdings stehen die sog. „Fürstensitze“, deren reiche und prächtige Grabbeigaben (z. Bsp. Eberdingen-Hochdorf) den Besucher faszinieren. Geländeprofile und die ehemaligen Befestigungsanlagen der Heuneburg, des Ipf, des Aspergs und des Mont Lassois, teilweise ergänzt durch gelungene 3-D-Animationen, verschaffen dem Betrachter einzigartige Einblicke in die zivile und militärische Ordnung jener Zeit.


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      Eine Gruppe Schiltacher Besucher am Einlass zur Ausstellung. Foto: R. Mahn


      Ein Blick auf die Wanderungen der Kelten nach Norditalien, den Balkan und bis nach Anatolien sowie Betrachtungen zu den „Oppida“, den keltischen Städten, runden das großartige Bild auf dieses „europäische“ Volk ab.

      Die im Alten Schloss präsentierten „Kostbarkeiten der Kunst“ spannen einen Bogen von den frühen Zeugnissen des keltischen Kunstschaffens im 8. Jahrhundert v. Chr. über einen Zeitraum von nahezu 1700 Jahren durch alle wesentlichen und prägenden Stilepochen hindurch, bis eine zunehmende Verschmelzung der keltischen Tradition mit germanischen Elementen einsetzte. Die zu bestaunenden und teilweise mit höchster Präzision geschaffenen Kunstwerke aus Ton, Holz, Bronze, Eisen, Silber und Gold veranschaulichen die in der Frühzeit vorherrschende Liebe zu geometrischen Formen. Später traten Einflüsse aus dem Süden hinzu, die in der Darstellung von Masken und Fabelwesen ihren Niederschlag fanden. Vor der Zeitenwende machte sich eine zunehmend realistischere Abbildung von Menschen, Tieren und Götterbildern bemerkbar, in den ersten Jahrhunderten des neuen Jahrtausends prägt dann der Kunstausdruck der dominierenden römischen Welt das keltische Kunstgeschehen. Eine letzte Blütezeit erlebt die keltische Kunst in Form der irischen Buchmalerei bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. hinein.

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      Hausacher und Schiltacher Teilnehmer auf dem Rückweg zum Bahnhof Foto: R. Mahn



      Die sehenswerte Ausstellung wurde vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und dem Landesmuseum Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sowie dem Historischen Museum Bern ermöglicht und ist noch bis zum 17. Februar 2013 geöffnet.

      Die Teilnehmer der Exkursion kehrten mit viel neuem Wissen und einer Fülle an schönen Eindrücken aus der „Welt der Kelten“ ins heimische Kinzigtal zurück.

      Schiltach, den 28. Januar 2013 Reinhard Mahn




      Forschung, Vorträge, Ausstellungen und Exkursionen

      Bericht über die Mitgliederversammlung
      am Freitag, den 18. Januar 2013


      Von Rolf Rombach

      Die Mitgliedergruppe Schiltach des Historischen Vereins für Mittelbaden hat in 2012 ein enormes Maß an Arbeit geleistet, an Forschung, Vorträgen und Ausstellungen. Dies wurde bei der Mitgliederversammlung im Gasthof „Sonne“ deutlich, als dort Reinhard Mahn, Mitglied des so genannten Initiativkreises, in der ausführlichen Rückschau an die verschiedenen Ereignisse erinnerte, insbesondere an die Registrierung der Kleindenkmale, an Referate über die verschiedensten Themen, an die Leonhard-Ausstellung, die Musiken im „Museum am Markt“, an Seminare, Beteiligung am kommunalen Sommerferienprogramm, die Tagung der Museumsfachgruppe des Hauptvereins in Schiltach, an vier Sitzungen des Initiativkreises, an die Zeitzeugengespräche bezüglich der NS-Zeit, die Diskussion über städtebauliche Folgen des vorgesehenen Hochwasserschutzes an Schiltach und Kinzig und an Schiltacher Veröffentlichungen in der „Ortenau“, dem Jahrbuch des Hauptvereins.

      Mit der hauptamtlichen Besetzung der städtischen Archiv- und Museumsleitung sei ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. „Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Stelleninhaber Andreas Morgenstern“, bekundete Mahn. Der Historiker Michael Hensle habe seinen Archiv-Ordnungsauftrag erfolgreich beendet. Mit jetzt 60 Mitgliedern weise die Mitgliederzahl eine leicht steigende Tendenz auf. Mitgliederwerbung sei aber auch künftig eine stetige Aufgabe.


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      Foto: R. Mahn

      In der Vorschau wurde für 2013 ebenfalls ein umfangreiches Arbeitspensum deutlich: Am 27. Januar Exkursion zur Keltenausstellung in Stuttgart (zusammen mit der Mitgliedergruppe Hausach), am 20. Februar Vortrag „Der Schwarzwald und seine Dichter“ um 19.30 Uhr im Gottlob-Freithaler-Haus (Leitung Wolfgang Tuffentsammer und Günther Bentele), am 1. März Exkursion zur Ausstellung „Anständig gehandelt – Widerstand und Volksgemeinschaft 1933-1945“ (Leitung Andreas Morgenstern), am 26. April Ausstellungseröffnung „Die Flößerei im Bilde der Kunst“ im „Museum am Markt“ (Ausstellungsdauer bis 30. September), am 2. Mai Eröffnung der Wander-Ausstellung „Flößerei in aller Welt“ in der Hansgrohe-Aquademie. Für die zweite April-Hälfte ist zudem eine Exkursion zur Ruine Althornberg (Leitung Karl Volk) geplant, im frühen Sommer eine Exkursion zur benachbarten Ruine „Schilteck“ in Schramberg (Leitung Hans Harter). Nach den Sommerferien folgt ein Vortrag von Hans Harter über einen Schiltacher Kriminalfall von 1773/74 „Zwey berüchtigte Jauner zum Strang gerechtest verurtheilt“ (Der weiße Bettelbub und der schwarze Katzensepp).

      Der promovierte Politologe und Historiker Andreas Morgenstern, seit November neuer städtischer Archiv- und Museumsleiter, stellte sich in der Versammlung vor, zeigte dabei seine beruflichen Stationen auf und gab Hinweise zu seiner künftigen Arbeit in Schiltach. Dem Stadtarchiv bescheinigte er eine vorbildliche Ordnung der Archivalien. Gerne will er aus dem vorhandenen Bücherbestand eine „kleine regionalgeschichtliche Bibliothek“ zusammenstellen. Er lud zum Besuch ins Stadtarchiv ein und zur Benutzung dieser wichtigen Einrichtung. Bezüglich der Museen sieht er eine „schöne und wichtige Aufgabe“ in der Gestaltung von Ausstellungen. Dabei denkt er bereits an zwei Jubiläen, in 2014 an „100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkrieges“ und in 2015 an „25 Jahre Wiedervereinigung“. Sowohl Einheimische wie Auswärtige sollten aus Museumsbesuch und Ausstellungen Bleibendes mitnehmen.

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      Der neue städtische Archiv- und Museumsleiter Andreas Morgenstern (links) stellt sich vor. Daneben Reinhard Mahn, Peter Rottenburger, Klaus-Ulrich Neeb und Michael Buzzi, allesamt Mitglieder des „Initiativkreises“ der Mitgliedergruppe. Foto: Rombach


      Zur vollständigen Aufarbeitung der NS-Zeit, so kündigte der Sprecher des Initiativkreises, Peter Rottenburger, an, müssten jetzt noch die städtischen Archivalien und Zeitungsberichte ausgewertet werden. Ferner kündigte er an, dass sich die Mitgliedergruppe mittelfristig zu einem rechtsfähigen Verein etablieren werde. Derzeit sei sie lediglich Teil des Hauptvereins. In einer längeren Diskussion appellierten die Mitglieder an die Entscheidungsträger, bei der vorgesehenen Realisierung von Hochwasserschutzmaßnahmen städtebaulich-historische Gesichtspunkte nach Möglichkeit und in verantwortbarer Abwägung zu berücksichtigen. Gedacht wurde hier insbesondere an Gerbergasse, Stadtbrücke, Bachstraße, Mauerhöhung, Tieferlegung der Schiltach und Entfernung des Wehrs oberhalb der Stadtbrücke. Gerade in der Schiltach-Tieferlegung, der Mauererhöhung und der Wehrentfernung sehen die Historiker eine sehr große negative Beeinträchtigung des historischen und wertvollen Stadtbildes.

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      Foto: R. Mahn

      Peter Rottenburger, der die Versammlung mit einer Grußadresse eröffnet hatte, setzte den Versammlungsschlusspunkt mit dem Dank an alle Förderer der Ortsgruppe. Gleichzeitig lud er zu den vorgesehenen Veranstaltungen, zu aktiver Mitarbeit und zu Anregungen ein.







      Bericht von der

      Herbsttagung der Fachgruppe „Museen“


      am Samstag, den 08. Dezember 2012 in Schiltach

      Leitung: Thomas Hafen



      Museumsfachleute besuchen Schiltach
      von Rolf Rombach

      Auf ihrer jährlichen Informationstour weilten Mitglieder des Fachbereichs „Museen“ des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. am Samstag in Schiltach, um hier das „Museum am Markt“ und das Hansgrohe-Museum „Wasser, Bad und Design“ in Augenschein zu nehmen. Die Leitung hatte der Fachbereichsvorsitzende Thomas Hafen, der zugleich wissenschaftlicher Leiter des „Vogtsbauernhofes“ in Gutach ist. Der neue Leiter der Schiltacher städtischen Museen und des Stadtarchivs, Andreas Morgenstern,  gab mit seiner ersten Führung durch das „Museum am Markt“ sein gelungenes Debüt. Er führte die Gäste durch die elf Museumszimmer, die in thematischer Anordnung die Stadtgeschichte aufzeigen, und erläuterte dabei das von Frank Lang (Stuttgart) erarbeitete und vor einem Jahr realisierte neue moderne Konzept. Hörstationen, I-Pads und Interaktionsmöglichkeiten fänden sich hier und gegenüber dem Vorgängerkonzept falle die vorgenommene „Entlüftung“ auf (weniger Exponate). Morgenstern  machte dabei zugleich einen eindrücklichen Exkurs in die  vielfältigen Facetten der Schiltacher Stadtgeschichte anhand der Exponate und der informierenden Technik. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch Hans Harter und Klaus-Ulrich Neeb, die als Vertreter der Mitgliedergruppe Schiltach des Historischen Vereins für Mittelbaden anwesend waren. Die Mitgliedergruppe war beratend bei der Erarbeitung der Neukonzeption beteiligt.
      Als mögliche nächste Bearbeitungsfelder sieht Morgenstern für sich vorausschauende Weichenstellungen zu möglichen Sonderausstellungen in 2014 und 2015 und die harmonische Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Für 2013 kündigte er die Sonderausstellung „Flößerei im Bilde der Kunst“ an.
      In der anschließenden Diskussion fand das aktuelle Konzept des „Museums am Markt“ die Zustimmung der Gäste. Das Konzept sei „up to date“. Auch die „großen Kunsthallen“ würden heute nicht mehr chronologisch, sondern thematisch ausstellen, sagte Hafen. Neue Denkweisen im Internetzeitalter setzten sich durch und seien nicht umkehrbar. Angesprochen und dabei verschieden bewertet wurde die Anzahl der Exponate und die Verwendung von im Depot vorhandenen Originalen statt künstlich geschaffener Skulpturen. Zielgruppen müssten sowohl die Touristen wie auch die einheimische Bevölkerung sein. Sonderausstellungen und Konzerte im vorhandenen Ausstellungsraum sowie weitere Aktivitäten vor Ort, wie schon begonnen, könnten die Schiltacher und auch „Auswärtige“ immer wieder ins Museum führen und hier ihre Heimatgeschichtskenntnisse erweitern und verstärken lassen.

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      Anschließend begaben sich die Museums-Experten zur Schiltacher Hansgrohe-Aquademie und besuchten dort die Ausstellung „Wasser, Bad und Design“. Roman Passarge, der Leiter der Hansgrohe-Aquademie, führte die Museumsleute nach seiner einführenden Begrüßungsadresse durch sämtliche Aquademie-Einrichtungen, erläuterte dabei die Hansgrohe-Philosophie, machte im Hansgrohe-Museum anhand der vielen und interessanten Exponate mit der Geschichte  des „privaten Bades“ bekannt, zeigte die überaus erfolgreiche Design-Entwicklung bei Hansgrohe auf, machte auf bedeutsame Innovationen aufmerksam, und auch die Showerworld war Thema. Er lud dazu ein, diese Showerworld zu gegebener Zeit in Funktion selbst auszuprobieren. Bei einer abschließenden Kaffeerunde bestand die gute Möglichkeit zu Fragen bezüglich der Hansgrohe-Museumseinrichtung, die von Passarge gerne beantwortet wurden. Hafen dankte im Namen der Teilnehmer sowohl Andreas Morgenstern wie auch Roman Passarge für die Ermöglichung der Museen-Besichtigungen.



      Oktober 2012 – der Jahresband „Die Ortenau 2012“ ist erschienen:


      Dr. Hans Harter berichtet über einen aufsehenerregenden Prozess, der vor 240 Jahren in Schiltach stattfand


      Rechtzeitig vor der dieses Jahr in Haslach/Kinzigtal stattfindenden Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. wurden den Mitgliedergruppen die druckfrischen, zwischenzeitlich in einem warmen und freundlichen Rot gehaltenen Jahrbücher für 2012 zugestellt und zügig an alle Vereinsmitglieder verteilt. Das Schwerpunktthema des vorliegenden Bandes lautet „Criminalia: Zur Geschichte der Justitia in Mittelbaden“. Zu diesem Themenkomplex hat die Schriftleitung 13 Beiträge mit einem Umfang von über 200 Seiten in das Jahrbuch aufgenommen. Auf weiteren 220 Seiten folgen 15 freie Beiträge zu unterschiedlichsten regionalhistorischen Themen, denen sich ein Forum, Rezensionen heimatgeschichtlicher Literatur, Tätigkeitsberichte der Mitglieder- und Fachgruppen sowie Mitteilungen und Hinweise der Vereinsführung anschließen.


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      Bei Durchsicht des 560seitigen Bandes bestätigt sich, dass sowohl die Verfasser als auch Redakteur Dr. Martin Ruch wieder gewissenhafte und wissenschaftlich fundierte Arbeit geleistet und eine ansprechende Veröffentlichung vorgelegt haben.

      Nachdem im vergangenen Jahr der Schiltacher Historiker und Autor Dr. Hans Harter zum Leitthema „Unternehmer- und Unternehmensgeschichte in Mittelbaden“ seine Forschungen zu den weit über das heimische Kinzigtal hinausreichenden Aktivitäten der Schiltacher Schiffer an Wutach, Hochrhein und Bodensee darlegte, braucht der heimatgeschichtlich interessierte Leser auch in diesem Jahr nicht auf einen spannenden Beitrag aus dem oberen Kinzigtal verzichten.

      Im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart studierte Harter im vergangenen Winter bündelweise Akten zu einem äußerst gut dokumentierten Kriminalfall aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dem „Weißen Bettelbub“ sowie dem „Schwarzen Katzensepp“ wurden in Schiltach in den Jahren 1773 und 1774 als schillernde Anführer einer Bettel-, Räuber- und Diebesbande, die einige Zeit den mittleren und südlichen Schwarzwald unsicher machte, ein aufwändiger und kostspieliger Prozess gemacht. Der Autor berichtet nicht nur über die 10monatige Haft im „Städtle“ und die im Rathaus erfolgten Verhöre, sondern ermöglicht auch eine einzigartige Milieustudie, zeigt die sozialen Strukturen schonungslos auf und gewährt Einblick in die Bürger- und Bauerngesellschaft jener Zeit. Harter berichtet anhand der Aktenlage, dass hauptsächlich in den Jahren nach der Missernte von 1770 ganze Heerscharen von Entwurzelten, Männer, Frauen und Kinder, von den Landesherrschaften völlig im Stich gelassen, in den Wäldern und auf den Landstraßen hausten. Von der Not getrieben unternahmen sie ihre Beutezüge vorwiegend in abgelegenen Tälern und zu einsam gelegenen Gehöften. Für die Angeklagten endete die Angelegenheit tragisch: Das Urteil lautete auf „Tod durch den Strang“.

      Der Tätigkeitsbericht der Mitgliedergruppe Schiltach sowie weitere Beiträge mit engem Bezug zum oberen Kinzigtal (z.B. Forschungen zum Verlauf der Römerstraße um Schiltach, Karsamstagsmord von Bad Rippoldsau 1945, 400 Jahre Vogtsbauernhof) sind nur wenige Beispiele für viele weitere lesenswerte Beiträge dieses Bandes. „Die Ortenau“ 2012 kann über den Buchhandel oder den Initiativkreis des Historischen Vereins erworben werden (rm).